Erfolgsmodell mit kleinen Haken

Hatice Dinvar arbeitet in dem Sozialkaufhaus in der Nähwerkstatt. Foto: sl

Sozialkaufhaus „fairkauf“: Alle Stellen wieder besetzt - aber kaum Chancen für Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt

Frust und Freude liegen im Sozialkaufhaus von InVia im Küchgarten dicht beieinander. Freude herrscht darüber, dass trotz der Einsparungen bei den Ein-Euro-Jobs im Sozialkaufhaus wieder alle Stellen besetzt werden konnten. Freude auch darüber, dass seit Ende Dezember rund 30 Bürgerarbeiter das Team vervollständigen. Frust macht sich hingegen breit, weil trotzdem die Chancen, diese Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, immer schlechter werden.
Im April 2010 eröffnete der katholische Verein InVia das Sozialkaufhaus „fairkauf“. Hier dürfen nur Menschen einkaufen, die entweder Hartz IV, eine kleine Rente oder nicht mehr als 850 Euro im Monat zur Verfügung haben. Für kleines Geld bekommen man hier Kleidung, Möbel, Haushaltsgegenstände und Bücher.
Neben dem Kaufhaus gibt es ein Café, eine Nähwerkstatt, in der die Kleiderspenden gewaschen, gebügelt und geändert werden sowie die Möbelwerkstatt. Und es gibt einen Transportdienst, deren Mitarbeiter die Möbelspenden abholen und teilweise zu den Käufern hinbringen. Dazu kommen ein Büro mit Beratungsangeboten und eine Computerstation für Stellensuche. Die Mitarbeiter sind fast ausschließlich langzeitarbeitslose Menschen, die bislang vergeblich nach einem Job suchten.
Das Problem: „Der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt geht an uns komplett vorbei“, sind sich Claudia Schäferkordt, pädagogische Leiterin, und Kaufhausleiter Markus Gott einig. „Die Menschen, die bei uns ein Jahr lang arbeiten und sich weiterqualifizieren, haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das ist für alle ärgerlich und frustrierend. Dabei wollen die allermeisten arbeiten.“
Wie es weitergeht mit dem Sozialkaufhaus, ist völlig unklar. Momentan ist die Finanzierung gesichert, und „fairkauf“ kann sogar Miete, Strom und Heizung selber erwirtschaften. Aber schon für 2013 sind weitere Sparmaßnahmen angekündigt. „Dann werden wir uns etwas überlegen müssen“, sagt Markus Gott.

Hintergrund
Rund 100 Menschen arbeiten im Sozialkaufhaus. Etwa 30 von ihnen sind so genannte Bürgerarbeiter. Sie erhalten monatlich 900 Euro brutto aus Bundesmitteln. Die übrigen Stellen sind Arbeitsgelegenheiten (AGH), die aus Landesmitteln finanziert werden. AGHler bekommen160 bis 180 Euro im Monat zusätzlich zum Arbeitslosengeld II. Die wöchentliche Arbeitszeit liegt bei 30 Stunden. Beide Maßnahmen, Bürgerarbeiter und AGH, laufen in der Regel über zwölf Monate.
Das Ziel, langzeitarbeitslose Menschen wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen, wird nur selten erreicht. Sind solche Maßnahmen rausgeschmissenes Geld? „Nein, keinesfalls“, wehrt Heike Böttger, Pressesprecherin vom Hamburger Jobcenter team.arbeit Hamburg ab. „Die Zielsetzungen der Arbeitsgelegenheiten sind nicht ausschließlich die Integration in Arbeit, sondern vielmehr auch die soziale Integration, die Stabilisierung der Teilnehmer und die (Wieder-) Herstellung der Beschäftigungsfähigkeit.“ SL
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