Ende einer Legende

Marietta und ihr Mann Eberhard Flottram haben das kleine Süßwaren- und Spirituosengeschäft in der Gazertstraße geschlossen. Foto: sl
SABINE LANGNER, HARBURG
Zwei Jahre lang hat Marietta Flottram einen Nachfolger für ihren Laden in der Heimfelder Gazertstraße gesucht. Ohne Erfolg. Jetzt hat sie das Geschäft mit den Spirituosen und den süßen Leckereien für immer geschlossen.

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Geschäft in der Gazertstraße eröffnet. Auf nur 24 Quadratmeter Verkaufsfläche stapelten sich Weine und Schnäpse, Zigaretten und Eis, Kekse und Marzipan, Kaffee und Tee, Schokolade und Zuckerstangen. Wer den Laden betrat, der tauchte ein in eine längst vergangene Welt, in der man Kekse und Konfekt noch einzeln kaufen konnte. Vor 32 Jahren hat Marietta Flottram den Laden übernommen. Die gelernte Verlagskauffrau war mit Anfang 30 und vier Kindern „zu alt für meinen eigentlichen Job“, erzählt die heute 63-Jährige. Weil sie immer schon eine Leidenschaft für gute Schokoladen und Weine hatte, entschied die Familie, den Laden zu übernehmen. Direkt nebenan lag die Wohnung, so dass die Kinder quasi im Laden mit aufwachsen konnten.

In all den Jahren wurde der Spruch: „ich geh‘ mal eben zu Marietta, ich brauche noch ein Geschenk“ zur Selbstverständlichkeit für Heimfelder. Doch jetzt ist Schluss. „Eigentlich wollte ich schon mit 60 aufhören“, sagt die sechsfache Großmutter. „Ich habe Anzeigen aufgegeben, um den Laden in gute Hände zu übergeben. Es kamen auch zahlreiche Bewerber, aber keiner passte. Entweder hatten die kein Kapital, mir den Warenbestand abzukaufen. Oder sie hatten kein Auto. Dabei braucht man das, um die Waren einzukaufen oder den Wein auszuliefern. Andere haben schon die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, als sie hörten, dass man hier sechs Tage in der Woche stehen muss. Und reich wird man mit so einem Laden natürlich auch nicht.“

Jetzt hat Marietta Flottram jetzt die Entscheidung getroffen, ohne Nachfolger den Laden aufzugeben. Mit einem großen Räumungsverkauf hat sie Abschied gefeiert. „Was jetzt noch hier ist, essen und trinken wir selber“, sagt ihr Mann Eberhard. Für Marietta Flottram beginnt jetzt ein neues Leben. „Wir fahren erst mal nach Kreta und danach werde ich es in vollen Zügen genießen, keine Verpflichtungen mehr zu haben“, sagt sie. Für die Heimfelder ist die Schließung des Ladens traurig. „Immer mehr kleine Einzelhändler schließen“, sagt Antje Bünse. „Damit geht auch ein Stuck Lebensqualität verloren.“
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