Ein Gruß aus Harburgs Vergangenheit

Der Blick vom Treidelweg (vorn) auf die Jöhnk Werft (M). Am linken Bildrand, in Höhe des Waggons, befindet sich der Lotsekai. Foto: Archiv Matthias Kohl

Matthias Kohls sammelt alte Ansichtskarten des Stadtteils

Von Andreas Tsilis.
Harburger Ansichtskarten sind oft reduziert auf Rathaus, Altstadt und Lüneburger Tor. Und die haben es als klassische Motive auf Grußkarten schwer gegen die modernen Kommunikationsmittel, wirken oft „verstaubt“ gegen E-Mail und kreatives Handyfoto. Nicht so bei Matthias Kohls. Dessen Harburger Ansichtskarten sind zwar von Haus „antiquiert“, das ist aber gewollt. Der 55-Jährige ist leidenschaftlicher Sammler und stolzer Besitzer von mehr als 600 Karten aus den Jahren 1893 bis in die 1950er Jahre.
Angefangen hat es eher beiläufig, „willst mal sehen“, fragte ihn ein Bekannter vor acht Jahren – danach war nichts mehr wie vorher.„Zuerst habe ich die Sammlung verwaltet, später übernommen und erweitert“, erklärt der Hobby-Sammler.
Mittlerweile ist eine gut besuchte Internetseite angelegt, bei der die Harburg-Ansichten in Form von historischen Stadtspaziergängen „erlebbar“ sind. „Die Harburger Häfen und ihre Kanäle – Gemeinden, Gebäude und Straßen“ heißt beispielsweise so eine Tour unter www.kohls-har burg.de. Dass der Aufbau des Internet-Wegweisers nicht so einfach ist, wie die Straßensuche mittels Autonavigation, liegt auf der Hand: Zigtausend verschiedene Harburger Ansichtskarten sind im Laufe eines Jahrhunderts von unterschiedlichen Verlagen herausgegeben worden.
„Manche dargestellten Gebäude und Straßenzüge werfen heute Rätsel auf“, erklärt Matthias Kohls. Ist auf der Karte von 1904 das Hobum-Werk im Hintergrund zu erkennen? Matthias Kohls denkt nach, recherchiert, zieht Bücher zu Rate, fragt Sammlerfreunde, versucht die Druck-Verlage herauszufinden. Das klingt nach Sisyphus-Arbeit – doch für den Staplerfahrer mit der Detektiv-Spürnase liegt der Reiz im Detail. „Mindestens zehn Stunden gehen pro Woche für Sammeln, Recherchieren und Archivieren drauf“, erklärt er.
Das Telefon klingelt, die TU-Harburg sucht alte Ansichten des ehemaligen Kasernengeländes. Geschickt greift Kohls nach einem von insgesamt 33 zentimeterdicken Lederalben. Es ist nicht die letzte Anfrage. Ob Schützenverein, Helms-Museum oder Geschichtswerkstatt, seine Harburg-Kenntnisse werden allerorten nachgefragt.
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