Ein Gespräch ohne Worte

Tango Argentino in Perfektion: Andrea Streubel und André Artmann tanzen ihn gefühlvoll und abwechslungsreich.
 
Jeder Tanz ist anders, immer wieder neu. Das macht den Tango Argentino so spannend.

Der Tango Argentino wird auch in Harburg getanzt.

ANDREA STEIN, HARBURG
Renate Ehlers schmiegt sich an ihren Mann Ulrich. Ihre Augen sind geschlossen, sie folgt den Bewegungen ihre Partners. Tango Argentino - das kommt aus der Mitte des Oberkörpers: hier sind die Partner verbunden, hier fühlt die Frau, welchen Schritt der Mann tanzen wird. Was so leichtfüßig daher kommt, ist Konzentration, zumindest für die männlichen Tanzschüler, die bei diesem Tanz die Führung übernehmen. Die Partnerin muss folgen und sich führen lassen - keine leichte Aufgabe für viele Frauen: „Eigentlich bin ich der starke Part in unserer Beziehung. Ich gebe normalerweise den Weg vor“, sagt Renate Ehlers. Doch wenn sie Tango tanzt, gibt es kein „lass mich mal“. Nur wer sich ganz in die Hände seines Tanzpartners begibt, wird den Zauber dieses Tanzes erfahren.
Das Ehepaar Ehlers hatte bereits vier Jahre in Hamburg getanzt. Als vor über einem Jahr die Tanzschule Tango Ático am Krummholzberg eröffnete, waren die beiden Harburger froh, endlich auch einen Anlaufpunkt südlich der Elbe zu haben. Vom Unterricht bei Andrea Streubel und André Artmann sind sie angetan. „Es kommen klare Ansagen, die wir gut umsetzen können.“
Streubel und Artmann sind kein Ehepaar, auch kein Liebes-Paar, dennoch können sie wunderbar zusammen Tango tanzen. „Man muss sich nicht lieben“, erklärt André. Aber sympathisch sollte man sich schon sein. Der Ingenieur bei Airbus fing vor elf Jahren an, Tango zu tanzen. Er lernte Andrea beim Tanzen kennen, gemeinsam unterrichteten sie dann an einer Hamburger Tanzschule. Irgendwann wuchs die Idee, doch in Harburg etwas Eigenes aufzubauen, André nebenbei, für Andrea Streubel ist es der Hauptberuf. Sie suchten ein geeignetes Ambiente und fanden schließlich eine Etage im Gebäude Krummholzberg 5 und 7.
Mutig in Harburg? Die Tanzschüler finden das gar nicht. „Das hat in Harburg gefehlt“, sagt Dorle Mumberg (64) aus Neuenfelde. „Unsere Kinder tanzen seit Jahren Tango, und als wir lasen, dass in Harburg eine Tango-Schule eröffnet wird, haben wir uns gleich angemeldet.“ Gemeinsam mit ihrem Mann Erwin (65) hat sie 40 Jahre lang Standard getanzt, darunter auch Tango. „Aber der Tango Argentino hat damit nichts zu tun“, weiss Erwin Mumberg. „Er ist eher wie ein Spaziergang, der Oberkörper bleibt entspannt.“
Und tatsächlich: der Tango Argentino hat mit „eins, zwei, Wiegeschritt“ nicht viel zu tun. Er lässt sich nicht in ein simples Schrittschema pressen. Er ist Umarmung, Improvisation, Gefühl. „Eine drei-Minuten-Romanze“, sagt Renate Ehlers, oder wie Tanzlehrerin Andrea Streubel es beschreibt: „Ein Gespräch ohne Worte und dabei doch sehr kommunikativ.“ Die Tanzschritte werden nicht auswendig gelernt, vielmehr werden einzelne Sequenzen aneinander gereiht, je nachdem, wie der Mann die Musik interpretiert.
Dabei ist es durchaus erwünscht, auch mit anderen Partnern zu tanzen, sagt André Artmann. Auf den Milongas zum Beispiel, den öffentlichen Tanzveranstaltungen, die fast täglich in den entsprechenden Hamburger Locations stattfinden, gibt es vor dem Auffordern einen Augenkontakt - man signalisiert so, ob man miteinander tanzen möchte. „Und dann ist jeder Tanz anders, jeder Mensch drückt sich anders aus. Das ist sehr spannend.“
Elke Wiegmann aus Harburg hatte ohne festen Partner in der Tangoschule begonnen. „Andrea und André haben gesagt, ich solle tanzen gehen. Auf einer Milonga in Hamburg habe ich dann Michael kennengelernt.“ Seit einem halben Jahr sind die beiden auch ein Liebes-Paar. „Es hat sofort gefunkt“, lacht Michael Kropatzek aus Geesthacht. Seitdem kommen die Beiden nur noch gemeinsam zum Tanzunterricht.
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