Ein Fahrrad für Thomas

Als Thomas zum ersten Mal sein neues Fahrrad betrachtete, konnte er sein Glück kaum fassen. Foto: pr

Junge Auszubildende aus Harburg beschafft Obdachlosem Kleidung und ein Fahrrad

Von Sabine Langner.

Karina Kogan war 13 Jahre alt, als sie zum ersten Mal erlebte, was Armut anrichtet. „Ich habe damals in Frankreich gelebt", erinnert sich die heute 20-jährige Auszubildende, „und in meiner Freizeit in einem Verein mitgearbeitet, der ganz ähnlich wie die Tafel hier in Deutschland Essen für Bedürftige ausgibt. Dort traf ich eine alte Dame, die bitterlich weinte, weil so arm war, dass sie kein einziges Weihnachtsgeschenk für ihre Enkel kaufen konnte."
Das Thema hat sie seitdem nicht mehr losgelassen, und so war es auch nur eine Frage der Zeit, bis sie an der Eißendorfer Straße Thomas (Name der Re-daktion bekannt) traf. Thomas lebt seit mehr als drei Jahren auf der Straße. Im Sommer campiert er im Wald. Im Winter hat er ein Problem.
Jedes Mal, wenn Karina Kogan Thomas traf, schenkte sie ihm eine Kleinigkeit. Mal einen Apfel, mal eine Tafel Schokolade. Als sich der Herbst immer mehr in Richtung Winter verabschiedete, fing die gebürtige Ukrainerin an, sich Sorgen zu machen. Sie versuchte, in Kleiderkammern warme Klamotten für Thomas zu organisieren. „Aber da hätte er immer selber hingehen müssen. Ich dachte, er will das nicht, aber irgendwann habe ich mitbekommen, dass er so schlecht laufen kann, dass er den Weg in die Harburger Innenstadt einfach nicht schafft", berichtet Karina Kogan.
Kurzerhand gab die junge Frau eine Anzeige auf und bat Menschen darum, alte, warme Kleidung zu spenden. „Eine Frau aus Pinneberg war ganz toll", strahlt Karina mit Tränen in den Augen. „Die hat gleich mehrere Taschen mit warmen Unterhosen, Pullovern, einer Winterjacke und noch allerlei Kram zusammen gepackt. Und das
Beste: Sie hatte auch ein Fahrrad." Dieses Fahrrad hat Karina mit Schleifen und Glöck-chen dekoriert und es dann Thomas geschenkt.
Inzwischen ist die Zukunft von Thomas zumindest für die nächsten Monate gesichert. Er hat ein Zimmer im Gemeindehaus der Lutherkirche bekommen, in dem er schlafen kann. Zudem bekommt er von nahezu allen Händlern an der Eißendorfer Straße ab und zu warme Getränke, etwas zu essen und manchmal auch ein bisschen Geld.
Für Karina Kogan ist diese Welle der Hilfsbereitschaft ein kleines Wunder. „Ich finde es großartig, wie viele Menschen Thomas helfen. Und ich glaube, wir können es uns alle leisten. Jedem kann es passieren, dass er auf der Straße landet", sagt sie.
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