Ein anderer Blick aufs Leben

Seitenwechsler“ Steffen Wilcke mit Susanne Fischer vom DRK und Hospiz-Gast Gertrud Habedank. Foto: DRK Kreisverand hamburg-harburg
 
Dirka Grießhaber kümmert sich um Spenden für das Hospiz. Foto: vierfotografen

Seitenwechsel: Steffen Wilcke tauschte seinen Job in der Sparkasse für eine Woche gegen Mitarbeit im Langenbeker DRK-Hospiz

Vor drei Jahren ging die juristische Auseinandersetzung um das DRK-Hospiz im Blättnerring zu Ende. Seitdem werden in Langenbek Schwerstkranke mit viel menschlicher Wärme auf ihrem letzten
Lebensabschnitt begleitet. Bis Mitte Dezember waren es 470 Menschen.
Hospiz-Gäste erhalten auf Wunsch ihre Lieblingsspeisen, ihre Schmerzen werden mit Medikamenten so gut wie möglich gelindert, es gibt Zeit für Gespräche. Das DRK-Hospiz verfügt über zwölf Zimmer, alle in unterschiedlichen Farben gehalten, 20 bis 22 Quadratmeter groß und mit  Balkon oder Zugang zur Terrasse, alle mit TV, Radio/CD, W-Lan und einen bequemen rollbaren Ohrensessel eingerichtet. Angehörige können zu Besuch kommen so oft und wann sie wollen.
Zum ersten Mal hat sich das DRK-Hospiz am Blättnerring am Programm „Seitenwechsel“ beteiligt, das Führungskräften eine besondere Art der Weiterbildung bietet. Für eine Woche tauschte Steffen Wilcke (41) seinen Arbeitsplatz als Bereichsleiter einer Sparkasse gegen Mitarbeit in der DRK-Einrichtung in Langenbek ein.
Besonders beeindruckt hat „Seitenwechsler“ Steffen Wilcke die Zusammenarbeit im Hospiz-Team: „Es greift alles Hand in Hand, und alle sind bereit, mit ihren eigenen Ansprüchen und Wünschen zurückzutreten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen: Menschen, die ihre letzte Lebensphase im Hospiz verbringen, möglichst viel Freude und Lebensqualität zu ermöglichen.“
Steffen Wilcke half in völlig verschiedenen Bereichen mit, zum Beispiel in der Küche oder in der Pflege. Dass ein nicht unerheblicher Teil der Arbeit im Hospiz von ehrenamtlichen Helfern geleistet wird, hat den Vater von zwei Töchtern überrascht. „In meiner Branche wäre das nicht möglich.“
„Sehr deutlich zu spüren war für mich immer wieder die große Dankbarkeit der Gäste und ihrer Angehörigen, in dieser schwierigen Situation an diesem Ort sein zu dürfen – ein Ort, an dem man sich Zeit nimmt für letzte Wünsche, Bedürfnisse und Erinnerungen“, so Steffen Wilcke weiter.
Er selbst sei dankbar für die vielen Gespräche, die er mit den Gästen während seiner Woche im Hospiz führen konnte. „Ich wollte wissen, was Menschen bewegt, die ihren letzten Weg angetreten haben. Wo sonst hat man dazu die Gelegenheit?“

DRK-Hospiz
Blättnerring 18
21079 Hamburg
Geschäftsführerin Britta True
Tel (040) 33 42 416 - 12

❱❱ www.hospiz-harburg.de

Das Hospiz-Team

Wie viele Mitarbeiter sind im Langenbeker DRK-Hospiz am Blättnerring beschäftigt?
Wurden sie für ihre Aufgaben besonders geschult? Ein Überblick.
Im Hospiz sind insgesamt 30 Mitarbeiter hauptamtlich tätig. Zu diesem Team gehören:
- 18 examinierte Pflegefachkräfte (Krankenschwestern, Kranken- und Altenpfleger), die meisten mit Palliative-Care-Weiterbildung (einige befinden sich derzeit noch in dieser Weiterbildung, die bis Ende 2018 alle Pflegefachkräfte im Hospiz absolviert haben werden). Einige verfügen über weitere Zusatzqualifikationen, zum Beispiel als Wundtherapeut, „Pain Nurse“, Aromatherapeut, Klangschalentherapeut oder Kunsttherapeut.
- drei Leitungskräfte,
- zwei Hauswirtschaftskräfte,
- eine Mitarbeiterin im Freiwilligen Sozialen Jahr,
- ein Hausmeister (in Teilzeit, angestellt beim DRK-Kreisverband),
- zwei Reinigungskräfte,
- zwei feste Ärzte (ein Hausarzt und Palliativmediziner sowie eine Schmerztherapeutin und Palliativmedizinerin),
- eine Seelsorgerin (über die Kirchengemeinde).
Außerdem gibt es etwa 30 Ehrenamtliche im Hospiz und weitere, die sich im Hospizverein für Hamburgs Süden engagieren, sowie externe Kräfte für Krankengymnastik, Logo- und Ergotherapie nach Bedarf.
Die Hospiz-Mitarbeiter sind fast ausnahmslos in Teilzeit tätig. Dies ist in der Hospiz-Arbeit sinnvoll, um ausreichend Ausgleichszeit zu haben. Die Mitarbeiter haben sich bewusst für die Arbeit im Hospiz entschieden und sind für diese Tätigkeit mit ihren besonderen Anforderungen professionell geschult.

Der Freundeskreis

olaf zimmermann/DRK, harburg

Für die Gäste des Hospizes ist der Aufenthalt kostenfrei. 95 Prozent der Kosten übernehmen die Krankenkassen, die restlichen fünf Prozent (rund 150.000 Euro) muss das DRK über Spenden bekommen. Klappt das? „Ja, zum Glück sind es ausreichend Spenden eingegangen“, sagt Harburgs DRK-Sprecherin Sabine Spatzek. „Die Unterstützung, die das Hospiz in Langenbek und weit darüber hinaus in der Region von vielen Menschen erfährt, ist enorm.“ Konkrete Zahlen nennt das DRK nicht.
Zur Unterstützung des Hos-pizes wurde 2014 von Schirmherrin Bettina Tietjen ein Freundeskreis gegründet. Derzeit helfen rund 300 Freunde mit einer regelmäßigen Spende.
Sabine Spatzek: „Der Freundeskreis ist eine wichtige Säule der Finanzierung und hilft uns dabei, den erforderlichen Eigenanteil aufzubringen. Neue Freunde sind herzlich willkommen. Ab einer monatlichen Spende von zehn Euro ist man dabei.“ Freunde erhalten regelmäßige Information und Einladungen. Einmal jährlich findet ein großes Treffen der Freunde statt, das nächste im ersten Quartal 2017. Ansprechpartnerin für den Freundeskreis ist
Dr. Dirka Grießhaber
Tel 040 / 766092-66
E-Mail: D.Griesshaber@
drk-harburg.hamburg
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