Die "Schlosskomtessen" bitten zum Stammtisch

Jutta Kecker (l.) und Karin Albrecht lieben das Unorthodoxe: Aus einem Klassentreffen unter Schulfreundinnen wird der Stammtisch unter Schlosskomtessen. Foto: tsi

Ehemalige Schülerinnen der Schule Eißendorfer Straße treffen sich 49 Jahre nach Schulentlassung

Von Andreas Tsilis.
Wer auf die Idee kam, ist unklar. Fest steht: Die 40 jungen Damen, die sich 1963, mit Abschluss der mittleren Reife an der Schule Eißendorfer Straße, als „Schloßkomtesssen“ anredeten, und damit eigenmächtig in den „Adelsstand“ hievten, sind bis heute Komtessen geblieben. „Zumindest untereinander sprechen wir uns noch so an“, sagt Komtess Karin Albrecht und schaut zu Komtess Jutta Kecker.
Beide sitzen in einem Harburger Cafe und tauschen Anekdoten aus. „Eine waschechte Gräfin haben wir aber nicht zu bieten“, sagt Albrecht und schmunzelt. Vor ihnen liegt ein Klassenfoto von 1957. „Die da, Ellen, war unsere Jodelkönigin, leider war es uns in den letzten Jahren nicht vergönnt, sie wiederzufinden.“ Albrecht und Kecker zeigen auf junge Gesichter, sprechen von „Bärbel aus der Muckibude“ oder „Margot mit dem Reisebüro“.
Unvermittelt fällt ihr Blick auf Klassenlehrerin Irmtraud Mellenthien-Bast. „Sie kam frisch aus Berlin, wir waren ihre erste Klasse, sie unterrichtete alles von Mathe bis Turnen.“ Die Worte sprudeln aus Albrecht nur so heraus. Mellenthien-Bast war es auch, die dafür sorgte, dass sich die Klasse für die Opfer der Sturmflutkatastrophe von 1962 engagierte. Kecker: „Wir lernten Verantwortung zu übernehmen.“
Jahre später besuchten die Ehemaligen die schulische Wirkungsstätte, „um Erinnerungen aufzufrischen“, wie Albrecht es nennt, und entwirft vor ihrem geistigen Auge ein Bild von Nähmaschine und Handarbeitskurs. „Meine unvollendete Schwesternschürze liegt noch heute gut versteckt in einer Kiste.“ Schulfreundin Kecker ist überrascht.
Ob bei der 50-Jahr-Feier am 2.Juni 2013 weitere Geheimnisse gelüftet werden, wird sich zeigen. Gut möglich, dass Albrecht, Kecker und Co. einige Geschichten bereits jetzt zum Besten geben: Das jährliche Wiedersehen („Stammtisch“) in Appelbüttel steht an - geht es dann so unorthodox wie bei der Schulabschiedsfeier vor 49 Jahren zu, dürfen die zahlreichen Komtessen-Gefährtinnen gespannt sein.
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