"Die Kreidezeit ist vorbei!"

Schulleiterin Dagmar Siegmann und Lehrer Daniel Klug sind davon überzeugt, dass das neue Konzept am Immanuel-Kant-Gymnasium das Lernen zukünftig verbessert. Foto: sl
„Die Kreidezeit ist vorbei“, sagt Dagmar Siegmann, Schulleiterin am Immanuel Kant Gymnasium (IKG) in Sinstorf. Für die 590 Schüler bedeutet dies, dass Lehrer, die an einer Tafel mit Kreide frontal unterrichten, zum Beginn des neuen Schuljahres weitgehend der Vergangenheit angehören. Stattdessen werden alle 26 Klassenzimmer in den Ferien zu so genannten Lernräumen umgebaut. Hatten bisher nur einzelne Fächer wie Sport, Musik, Bio, Chemie und Physik einen eigenen Fachraum, bekommt ab sofort jedes Unterrichtsfach einen eigenen Raum. Dazu bekommt jedes Klassenzimmer zusätzliche Regale und Schränke und, je nach Bedarf, Computer und Musikanlagen.

„Ich bin Lehrer für Geschichte und Geografie“, erläutert Daniel Klug das neue Konzept. „Bisher war es so, dass ich vor Beginn jeder Stunde ein paar Schüler bitten musste, mir dabei zu helfen, die Atlanten aus der Bibliothek in das Klassenzimmer zu tragen. Damit haben wir mindestens zehn Minuten Unterrichtszeit verloren. In Zukunft habe ich alle Atlanten und andere Materialien in meinem Klassenzimmer in den neuen Schränken und Regalen. Dazu gehören dann auch Lehrbücher, so dass die Schüler keine schweren Rucksäcke mehr mit sich herumschleppen müssen, weil alles schon vor Ort ist.“

Die Tafeln werden in den nächsten Jahren abgelöst von elektronischen Smartboards. Ein paar wenige davon gibt es schon, aber bei einem Anschaffungspreis von rund 4.000 Euro pro Stück rechnet Dagmar Siegmann damit, dass es mindestens vier Jahre dauern wird, bis alle Klassen ein Smartbord haben.

Diese Idee nicht mehr die Bücher, sondern die Schüler wandern zu lassen, ist nicht neu. Erste Erfahrungen gibt es schon in anderen Bundesländern, und auch nördlich der Elbe haben sich schon ein paar Schulen an dieses neue Konzept herangewagt. In Harburg ist das IKG das erste Gymnasium. „Die Anforderungen haben sich mit den neuen Medien drastisch verändert“, sagt Dagmar Siegmann. „Die Kinder können alle mit Facebook umgehen, aber die wenigsten wissen, wie sie die Medien tatsächlich nutzen können. Wie man kritisch mit Quellen umgeht. Wie man Grafiken und Texte sinnvoll verbindet. Wir leben mit den neuen Medien. Dann müssen wir den Kindern auch beibringen, wie man sie richtig nutzt.“
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