Die Kollegen auf vier Pfoten / Die Schnüffler vom Dienst / Immer der Nase nach

Sprengstoffsuchhund Carlo findet eine Waffe in einer der zahlreichen Kisten
 
Liesl (li.) und Josi sind bayrische Gebirgsschweißhunde. Dank ihrer guten Nase werden sie als Personenspürhunde, sogenannte Mantrailer, eingesetzt.
Seit 100 Jahren bildet die Hamburger Polizei Diensthunde aus: sie schnüffeln nach Rauschgift, Waffen und vermissten Menschen

ANDREA STEIN, HAMBURG
Bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel im kommenden Jahr die Hallen des Desy betritt oder sich Staatsoberhäupter anderer Länder in Hamburger Hotels einquartieren, haben einige gut ausgebildete Spezialisten ihren Job bereits erledigt: Dank der guten Nasen der Sprengstoffsuchhunde der Hamburger Polizei können sich hochkarätige Gäste entspannt zurücklehnen. Jede Ecke, jede Nische wurde abgeschnüffelt, immer auf der Suche nach hochexplosivem Material.
Gut ein Drittel der Hunde im Hamburger Polizeidienst werden ausgebildet, um Sprengstoffe oder Schusswaffen und Munition zu finden. „Nach einer Schiesserei suchen die Hunde am Tatort nach Patronenhülsen, bei verdächtigen Personen nach Schusswaffen“, erklärt Polizeioberkommissar Detlef Krüger den Job seiner vierbeinigen Kollegen.
57 Hunde tun derzeit Dienst bei der Hamburger Polizei. Sie stehen dabei in einer langen Tradition, denn seit mittlerweile 100 Jahren unterstützen die Vierbeiner die Arbeit der menschlichen Kollegen. Deutscher Schäferhund, Malinois, Holländischer Herder - das sind die gängigen Rassen, deren Gene schon entscheidende Merkmale mitbringen: Arbeitseifer, Bindung zum Menschen, Spieltrieb. Ob ein Hund letztendlich aber wirklich geeignet ist, entscheiden diverse Tests. „Er muss natürlich gesund sein“, erklärt Ausbildungsleiter Kai Rottmann die Voraussetzungen. „Er sollte außerdem belastbar und umweltsicher sein.“ Geräusche, verschiedene Umgebungen, diverse Untergründe, Dunkelheit - all das darf ihn nicht schrecken. Und damit die Ausbildung überhaupt funktioniert, muss der Hund einen starken Beute- und Spieltrieb haben.
Von Drill und Härte sind die Methoden in der Ausbildung mittlerweile weit entfernt. Motivation ist das Zauberwort: Der Hund sucht schließlich nicht den Sprengstoff oder das Rauschgift, er sucht sein Spielzeug. Und damit das Prinzip funktioniert, wird die Lernkette genauso aufgebaut. „Wir geben ein bisschen Rauschgift in ein offenes Gefäss, wenn der Hund daran schnüffelt, bekommt er ein Lob, sein Spielzeug“, sagt Polizeiobermeister Henry Wagner. Später sucht der Hund nach Gegenständen, die Sprengstoffe beinhalten. Zunächst darf er noch damit spielen, doch am Ende der Ausbildung muss er lernen, sich ruhig neben den Gegenstand zu legen. Das dient auch seiner eigenen Sicherheit, denn in der Nähe von Sprengstoff müssen laute Geräusche (Bellen) oder Erschütterungen (Scharren) vermieden werden.
Ähnlich wie die Sprengstoffsuchhunde werden auch die Rauschgift- und die Brandmittelsuchhunde ausgebildet. Letztere kommen dann zum Einsatz, wenn man Brandstiftung vermutet. „Unsere Hunde riechen, ob zum Beispiel Benzin oder andere Brandbeschleuniger im Spiel waren,“ erklärt Kai Rottmann. „Während technische Geräte oft versagen, ist die Hundenase absolut zuverlässig, wie sich dann später im Labor bestätigt.“ 300 Atemstöße macht der Hund in 90 Sekunden, dabei sind 300 Millionen Riechzellen aktiviert - das macht den Hund zu einem effektiven Helfer bei der Polizeiarbeit.
Auch die gute Nase der bayrischen Gebirgsschweißhunde macht sich die Polizei zunutze. Vier dieser Tiere sind seit gut zwei Jahren in der Ausbildung und haben gerade ihre Prüfung zum Mantrailer bestanden. Sie suchen mit Hilfe einer Geruchsprobe, das kann ein Kleidungsstück oder auch eine Zigarettenkippe sein, genau den Menschen, der damit in Berührung kam. Dabei verfolgen sie diesen Geruch kilometerweit - wenn´s sein muss auch durch große Menschenmassen.
Viele Kollegen und Kolleginnen der Hamburger Polizei bewerben sich auf die ausgeschriebenen Stellen als Hundeführer, aber nicht jeder wird genommen. Neben der ausreichenden Erfahrung im Revierdienst sollte der Bewerber auch „über eine gute Mischung aus Emotionalität und Dominanz verfügen“, erklärt Ausbildungsleiter Kai Rottmann. „Man muss konsequent sein, aber auch ein Lob glaubhaft rüberbringen können.“ Wer das schafft und eine gute Bindung aufbaut, hat einen zuverlässigen Kollegen fürs Leben, der abends auch mit ihm nach Hause geht. Dort sind Liesl, Brandon, Buck und Co. nämlich ganz normale Familienhunde, die mit im Haus leben, am Familienalltag teilnehmen und mit den Kindern kuscheln.


Foto: Peter Prasse und Amira
Polizeihauptkommissar Peter Prasse und Amira sind seit 9 Jahren ein Team. In zwei Jahren werden sie gemeinsam in Pension gehen.
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