Die harte Tour: Geselle in vier Monaten

Berna Cakir (44) hat ihre externe Gesellenprüfung mit der Note 1 abgeschlossen. Ab 1. März arbeitet sie als Regionalleiterin bei einer Hamburger Traditionsbäckerei. Foto: handwerkskammer

Projekt „Nachqualifizierung im Handwerk“ hilft gegen den Fachkräftemangel - Erste Gesellen erhalten ihren Gesellenbrief

20 Jahre lang hatte Berna Cakir (44) als ungelernte Verkäuferin gearbeitet, vor sieben Monaten wurde ihr Job gekündigt. Jetzt schloss sie die Gesellenprüfung als Bäckereifachverkäuferin mit der Note 1 ab. Ab März wird die gebürtige Türkin als Regionalleiterin bei einer Hamburger Traditionsbäckerei arbeiten. Ermöglicht wurde dies durch das Projekt „Nachqualifizierung im Handwerk“. Am Mittwoch, 1. Februar, erhält Berna Cakir zusammen mit anderen Absolventen im Harburger Elbcampus ihren Gesellenbrief.
Hintergrund: Das Hamburger Handwerk hat ein Problem. Pro Jahr gehen rund 5.000 Mitarbeiter in Rente, aber nur 2.500 Gesellen fangen an. Man braucht kein Mathe-Diplom, um zu erkennen: Auf Dauer kann das nicht gutgehen. Vor zwei Jahren überlegte sich die Handwerkskammer einen Weg aus der Misere - und startete das Projekt „Nachqualifizierung im Handwerk“.
Und so funktionierts: In Hamburg lebende Einwanderer mit Berufserfahrung, aber ohne Berufsabschluss, sollen intensiv geschult werden, so dass sie anschließend im Handwerk arbeiten können. Angeboten werden Weiterbildungen zur „Fachkraft“ und die Vorbereitung auf die Gesellenprüfung (bei mehr als vier Jahren Berufserfahrung). Durchgeführt werden die Schulungen im Harburger Elbcampus. Wichtig: Die Schulungen sind kostenlos, die Teilnehmer erhalten Bildungsgutscheine. Neu: Auch Deutsche, die älter als 25 Jahre sind und über keinen Berufsabschluss verfügen, können beim Projekt mitmachen!
„In den letzten zwei Jahren haben 170 Personen eine Qualifizierung zur Fachkraft angefangen“, berichtet Projektleiterin Lena Coban, „abgebrochen haben nur zwischen fünf und zehn Prozent. 70 Prozent haben jetzt einen Job.“ Noch besser ist die Quote bei denjenigen, die die Gesellenprüfung geschafft haben. Lena Coban: „Von denen hat jeder einen Job.“ Ein Teil des Erfolgsgeheimnisses ist die sehr intensive Sprachförderung.
Das vom Bund geförderte Projekt läuft am Jahresende aus. Wie gehts dann weiter? „Vermutlich wird die Handwerkskammer das Projekt in Eigenregie weiterführen“, sagt Lena Coban.

Wer darf mitmachen?
Qualifizierung zur Fachkraft: Arbeitslose und Berufstätige, Angestellte und Selbstständige, die erste Berufserfahrung im Handwerk haben und mindestens 25 Jahre alt sind. Teilnehmer mit ausländischen Wurzeln werden bei Bedarf in speziellen Sprachkursen vorbereitet.
Qualifizierung externe Gesellenprüfung: Arbeitslose und Berufstätige, Angestellte und Selbstständige, die vier bis fünf Jahre Berufserfahrung im Handwerk haben und mindestens 25 Jahre alt sind. Teilnehmer mit ausländischen Wurzeln werden bei Bedarf in speziellen Sprachkursen vorbereitet.
Wann starten die nächsten Kurse? Die Weiterbildung zur Fachkraft für Glasfaserverstärkte Kunststoffe beginnt am 20. Februar. Der berufsbegleitende Vorbereitungskurs auf die Gesellenprüfung für Friseure startet am 23. April.
Wo kann man mehr erfahren? Die Mitarbeiter des Projekts sind im Elbcampus Kompetenzzentrum der Handwerkskammer, Zum Handwerkszentrum 1, unter Telefon 35905-457 zu erreichen. Hier wird gemeinsam geprüft, welche Qualifikationen weiterhelfen und welche Fördermöglichkeiten bestehen.
Internet: www.nachqualifizierung-im-handwerk.de
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