Deutsch lernen im Schnelldurchgang

Oana aus Rumänien (li.) und Sara aus Portugal büffeln Deutsch, damit sie bald eine reguläre Schule besuchen können. Foto: sl

Schule Maretstraße: In besonderen Klassen werden Kinder aus der ganzen Welt auf den regulären Unterricht vorbereitet

Von Sabine Langner.
Sie kommen aus allen Teilen der Welt. Kinder, deren Eltern in Deutschland einen Job gefunden haben. Kinder, deren Eltern aus den Heimatländern geflohen sind, weil dort Krieg herrscht. Sie alle verbindet, dass sie die deutsche Sprache nicht beherrschen. Jetzt müssen die Kinder so schnell wie möglich Deutsch lernen, um hier am regulären Unterricht teilnehmen zu können. Dafür gibt’s besondere Klassen - allein die Schule Maretstraße im Phoenix-Viertel hat fünf davon.
Maximal 16 Kinder sitzen in einem Klassenraum. Lehrer Heiner Orgass betreut den Jahrgang 7/8. Hier büffeln 16 Kinder aus neun Ländern. Am ersten Tisch sitzen Oana, Mohamed und Sara. Sara ist 15 Jahre alt und kommt aus Portugal. Ihr Vater hat die Familie geholt, nachdem er einen Job als Koch in einem portugiesischen Restaurant gefunden hat. Sie ist fast ein Jahr lang hier, spricht inzwischen nahezu perfektes Deutsch und wechselt nach den Herbstferien auf die katholische Schule. „Ich wollte nicht gern nach Deutschland kommen“, erzählt sie. „Zuhause sind all meine Freunde und der Rest meiner Familie. Aber inzwischen habe ich auch hier Freunde gefunden. Und Hamburg ist schön, bis auf das Wetter.“
Oana (15) kommt aus Rumänien. Sie ist seit acht Monaten in Hamburg und wechselt im Januar auf eine reguläre Schule. „Meine Eltern arbeiten hier“, berichtet sie. „Erst habe ich zwei Jahre lang bei meinem Großopa und meiner Großoma in Rumänien gewohnt“. Von einem anderen Tisch ertönt sofort eine Korrektur „Das heißt nicht Großoma, sondern Großmutter“, sagt Seyed aus Afghanistan.
Mohamed kann dem Ganzen noch nicht folgen. Der 14-Jährige ist erst vor zwei Monaten aus Syrien nach Hamburg gekommen. Mit ihm versucht sich Lehrer Heiner Orgass auf Englisch zu verständigen. Wenn das nicht klappt, gibt es ein Übersetzungsprogramm von Google oder jemanden in der Klasse, der arabisch und deutsch spricht.
„Das ist eine tolle Klasse“, strahlt der Lehrer. „Normalerweise sind die Schüler ja in dem Alter mitten in der Pubertät und schon ein bisschen anstrengend. Diese Kinder wollen alle lernen und sie lernen unglaublich schnell.“


Die Stadtteilschule Maretstraße ist Anlaufpunkt für Kinder aus fremden Ländern, die in Harburg landen. Hier lernen sie so weit die deutsche Sprache, bis sie in eine reguläre Klasse wechseln können. Je nach Bildungsniveau dauert dies zwischen einem halben und einem Jahr.
In der Maretstraße beginnen die VK-Klassen ab Jahrgang drei/vier. Kinder des Jahrgangs neun/zehn haben die Möglichkeit, zwei Jahre lang die VK-Klasse zu besuchen und damit einen Abschluss zu erreichen. „Der Bedarf in Hamburg ist enorm“, sagt Schulleiterin Dana Schöne.
Die Lehrer sprechen alle mindestens neben Deutsch noch Englisch und haben in der Regel Erfahrungen in dem Fach „Deutsch als Fremdsprache“. Es gibt spezielle Lehrprogramme für fremdsprachige Kinder, und für jedes Kind auch einen tragbaren CD-Player, mit dem sowohl in der Schule, als auch zu Hause Sprach-CDs gehört werden können. SL
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