Der zweite Doppel-König

Dieses Foto begleitete sie durch das Amtsjahr: Das Gilde-Königspaar Christel und Hans Heinrich Böttcher nach der Proklamation im letzten Jahr auf dem Schwarzenberg. Foto: Sabine Langner
 
Tischlermeister Hans Heinrich Böttcher hat eine künstlerische Ader: Hier zeigt er eine Skulptur seines eigenen Kopfes. Foto: sd

Großer Zapfenstreich für Seine Majestät Hans Heinrich Böttcher

Mehr Lob geht kaum. Hans Heinrich Böttcher, amtierender König der Harburger Schützengilde von 1528, gilt als bescheiden, intelligent, loyal. Er hat Humor, beherrscht ein altes Handwerk und steht zu seinem einmal gegebenen Wort. Am Freitag, 20. Juni, um 20 Uhr erklingt vor dem Harburger Rathaus der Zapfenstreich für diesen großen König.
In einer Zeit, in der die Bewerber um die Königswürde nicht mehr Schlange stehen, war es eine faire Geste von Hans Heinrich Böttcher, als er um 17 Uhr, als der Wettkampf offiziell beendet war, mit fester Stimme sagte: „Ja, ich nehme das Amt an.“
Der Tischlermeister hatte den von ihm selbst gebauten Gilde-Vogel bereits im Jahre 2004 erlegt. Im vergangenen Jahr wurde er ein weiteres Mal zum König proklamiert. Das hat außer dem Hausbrucher Hans Heinrich Böttcher bisher nur der Architekt Hermann Stein geschafft, der ebenfalls als „Doppel-König“ in die Geschichte der Harburger Schützengilde eingegangen ist. „Das ging nur, weil meine Frau Christel dieses Entscheidung mitgetragen hat“, betont Böttcher.
Der 69-Jährige fühlt sich dem Schützenwesen stark verbunden. Sein Urgroßvater war im Jahre 1890 Mitbegründer des Schützenvereins Heimfeld. Dort war sein Großvater 1953 König, Hans Heinrich Böttchers Vater 1954 und er selbst 1975. Darüber hinaus ist er Mitglied in den Schützenvereinen Moorburg und Vahrendorf.
Wer so bekannt ist, bekommt natürlich auch jede Menge Einladungen. Für den Gilde-König, Mitglied im Schießclub Hans Eidig, war es Ehrensache, diese auch anzunehmen. Als Gastgeschenk überreichten die Gilde-Royals in ihrem Amtsjahr stets eine Orchidee und den Abzug eines Fotos, das Wochenblatt-Reporterin Sabine Langner direkt nach der Proklamation im letzten Jahr auf dem Schwarzenberg von ihnen gemacht hatte. „Es ist ihr gelungen, diesen schönen Moment einzufangen, darum hat uns dieses Motiv das ganze Jahr begleitet“, sagt Königin Christel Böttcher.
Das größte und schönste Fest war natürlich der Gilde-Winterball, den die Böttchers im Dezember mit 600 Gästen im Hotel Lindtner feierten. Das Königspaar nahm sich aber auch die Zeit, den Königsball des Schützenvereins Kanzlershof, der zu den kleinsten im Süden Hamburgs gehört, zu besuchen. Ein drittes Mal will Hans Heinrich Böttcher aber nicht auf den Gilde-Vogel halten. „Nein“, lacht er, „jetzt sind andere dran!“

Hier redet der König:

Elbe Wochenblatt: Majestät, würden sie ein drittes Mal auf den Gilde-Vogel halten?
Hans Heinrich Böttcher: (lacht). Nein, auf keinen Fall.

Elbe Wochenblatt: Welche Voraussetzungen muss ein Gilde-König mitbringen?
Hans Heinrich Böttcher: Er sollte gesellig sein und sich mit Leib, Herz und Seele dem Schützenwesen verbunden fühlen.

Elbe Wochenblatt: Was waren die schönsten Momente in Ihrer zweiten Amtszeit?
Hans Heinrich Böttcher: Ach, das waren so viele tolle Momente und Begegnungen: Der Eröffnungswalzer mit meiner Frau Christel auf dem Gilde-Winterball, als alle Gäste aufstanden und für uns klatschten. Der Königsball bei unseren Schützenfreunden in Ashausen, der war so schön dörflich. Oder die herzliche Begrüßung auf dem Jahres-empfang des Harburger Turnerbundes, bei dem die Gäste peinlicherweise eine Viertelstunde auf mich und meine Frau warten mussten, weil wir im Stau standen. Aber auch die Teilnahme am 1. Harburger Disco-Move war ein echtes Erlebnis.

Elbe Wochenblatt: Würden Sie sich eher als Gesellschaftsschütze oder als Sportschütze bezeichnen?
Hans Heinrich Böttcher: Als Sportschütze. Seit 1964 bin ich Sportschütze beim Schützenverein Heimfeld, seit vielen Jahren außerdem Mitglied der Sportschützenabteilung der Harburger Schützengilde. 2002 habe ich bei den Deutschen Meisterschaften gemeinsam mit der Mannschaft den 3. Platz in der Disziplin 60 Schuss liegendschießend/Kleinkaliber erreicht.

Elbe Wochenblatt: Wie viele Gewehre haben Sie im Schrank?
Hans Heinrich Böttcher: Zwei Kleinkaliber- und zwei Luftgewehre.

Elbe Wochenblatt: Welche Hobbys haben Sie außer dem Schützenwesen?
Hans Heinrich Böttcher: Meine Frau Christel und ich unternehmen gerne Städte- und Kulturreisen, verbringen viel Zeit mit unseren Enkelkindern und tanzen beide leidenschaftlich gern. (Anmerkung der Redaktion: Außerdem ist Seine Majestät ein begabter Hobbykünstler, der aus einem Stück Holz ganz erstaunlich Skulpturen schafft.)

Elbe Wochenblatt: Sind Sie ein Fußball-Fan?
Hans Heinrich Böttcher: Eigentlich ist Tennis mein Sport. Beim letzten Relegationsspiels des HSV gegen Greuther-Fürth saßen meine Frau und ich aber natürlich vor dem Fernseher und haben mitgezittert. Für die Fußball-WM drücken wir der deutschen Elf die Daumen, aber am Ende soll die beste Mannschaft gewinnen.

Elbe Wochenblatt: Ist die Gilde gut für die Zukunft aufgestellt?
Hans Heinrich Böttcher: Die Gilde plagt ebenso wie andere Vereine Nachwuchssorgen. Viele wissen gar nicht, dass man auch über die Sportschützenvereinigung Mitglied der Harburger Schützengilde werden kann. Dort bietet Dr. Eckard Mißfeld mit seinem Team eine ganz hervorragende Jugendarbeit an.
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