Der Tag, als Harburg im Bombenhagel versank

Der Tag danach: Auf dem Platz, wo Walgenbachs Mutter immer die Wäsche trocknete, wurden die Leichen der Kinder und Erwachsenen in einer Reihe „aufgebahrt“. (Foto: privat)

Der Harburger Karl-Heinz Walgenbach erinnert sich an die
schrecklichen Bombenangriffe am 25. Oktober 1944

Auch nach 70 Jahren zittert seine Stimme noch, wenn Karl-Heinz Walgenbach von den Mittagstunden des 25. Oktober 1944 berichtet, als die Alliierten Im Zweiten Weltkrieg ihren größten Bombenangriff auf Harburg starteten.
„Ich schaute damals aus dem Fenster unserer Wohnung in der Juliusstraße (heute Bornemannstraße) und bekam einen riesigen Schreck“, erinnert sich Walgenbach. Der ganze Himmel sei voller Flugzeuge gewesen, die sich alle direkt auf Harburg zu bewegen schienen. Seine Mutter blieb zunächst gelassen und rührte weiter in dem Topf auf dem Herd. Bislang blieb die Harburger Zivilbevölkerung von den Angriffen verschont. Anvisiert wurden vielmehr die Industrieanlagen und Ölfabriken im Hafen. Doch diesmal war alles anders.
Die Walgenbachs schafften es gerade noch rechtzeitig in den Luftschutzkeller, als plötzlich die Erde heftig bebte, das Licht flackerte und dann komplett verlosch. Der verängstigte Junge floh in der Dunkelheit in die Arme seiner Mutter. Die Bomben schlugen mit Gebrüll und Getöse ganz in der Nähe ein. Das Putz rieselte von der Decke und hüllte die vor Schreck erstarrte Gemeinschaft in eine Staubwolke. Der Angriff wollte kein Ende nehmen, den Eingeschlossenen müssen Minuten wie Stunden vorgekommen sein. Endlich hörte der Lärm auf. Doch auf der Kellertreppe kam den Menschen bereits Schutt und Mauerstücke entgegen, so dass ein Entkommen nur noch über den Hinterausgang möglich war.
„Um ums herum lag die Welt in Trümmern. Von unserem Haus war nur noch eine Außenwand übrig, die drohte jeden Moment einzustürzen“, so Walgenbach. Dort wo er noch am Vortag mit seinen Freunden in einer Sandkiste spielte, klaffte ein riesiger Bombentrichter in der Erde. Aber das Grauen war noch nicht vorbei, denn aus der Ferne rollte schon die nächste Angriffswelle auf Harburg zu. Eng zusammengekauert in einem notdürftigen Unterstand überlebte Familie Walgenbach auch den zweiten Angriff, bei dem Brand- und Phosphorbomben vom Himmel fielen. „Der Anblick der sich uns nach diesem Angriff bot war unbeschreiblich“, so der Rentner. Die Juliusstraße, der Sand und die Straße Mopsberg waren ein einziges flammendes Inferno. Die Walgenbachs kamen mit dem Leben davon und konnten sich mit knapper Not, nur mit dem was sie auf dem Leibe trugen, zu Verwandten in Wilstorf durchschlagen. „Viele unserer Nachbarn hatten nicht so viel Glück und starben bei diesem furchtbaren Angriff“, sagt Karl-Heinz Walgenbach mit leiser Stimme.
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