Der lange Weg zum Therapie-Platz

Wer in Harburg psychologische Hilfe benötigt, muss sehr lange warten. Foto: DJD/Orthomol

Patienten mit psychischen Erkrankungen müssen
bis zu zwei Jahren auf eine Therapie warten

Von Sabine Langner.
Thorsten K. (Name der Redaktion bekannt) ist manisch-
depressiv. Von einem Moment zu anderen ist er zu Tode betrübt oder himmelhoch jauchzend. Eine bipolare Störung diagnostizierten die Ärzte und schickten den 40-jährigen Harburger erst mal ein paar Wochen in die Psychiatrie.
Schlimm genug, könnte man denken. Doch weit schlimmer als der lange Leidensweg bis zur Diagnose ist jetzt der Weg einen Therapie-Platz in einer psychotherapeutischen Praxis zu finden. „Ich habe aus dem Krankenhaus eine Liste mit rund 20 Psychologen bekommen“, berichtet Thorsten K. „Aber die Wartezeiten sind abartig lang, bis ich einen Platz bekommen kann. Das kürzeste waren nur sechs Monate. Einige sagten tatsächlich, ich müsse zwei Jahre warten, bis ich ein Vorgespräch bekommen könnte.“
Hat Hamburg einen Notstand in Sachen Psychotherapie? Keineswegs, ist die Kassenärztliche Vereinigung überzeugt. Rein statistisch ist Hamburg sogar überversorgt. Statt einer 100-prozentigen Abdeckung "hätte Hamburg sogar 168 Prozent", sagt Dr. Jochen Kriens, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Das Problem: Die Zahlen, auf die sich diese Aussage bezieht, sind von 1999. Seitdem ist die Zahl der Menschen, die psychologische Hilfe brauchen, deutlich angestiegen.

Nur 45 Psychologen
in Harburg


Ein weiteres Problem scheint die sehr ungleiche Verteilung von Psychologen im Hamburger Stadtgebiet zu sein. Von den 1.092 Hamburger Psychotherapeuten haben 45 ihre Praxis in Harburg. Dafür sitzen je rund 250 in Nord, Eimsbüttel und Altona. Auch gibt es in Harburg keine niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater. Nervenärzte? Auch hier hat Harburg nur 15 von insgesamt 203 Pra-xisplätzen in gesamt Hamburg.
Und was soll nun Thorsten K. machen? „Ich würde mich erst mal auf jede Liste setzen lassen und darauf hoffen, dass ein anderer Patient abspringt“, sagt eine Harburger Psychologin, die ihren Namen nicht nennen will. Gleichzeitig gibt sie Thorsten K. den Tipp, nicht schon gleich am Telefon von seiner Diagnose zu sprechen. „Wir lernen schon im Studium, dass wir von Menschen mit einer bipolaren Störung und solchen mit einer Schizophrenie besser die Finger lassen sollten.“

Letzter Tipp:
Hotline anrufen


Was Thorsten K. bleibt, ist die Hotline der KV anzurufen (S 20 22 99 22 2) und dort darauf zu hoffen, dass die ihm einen Spezialisten in erreichbarer Nähe nennen, der dann auch noch Zeit für ihn hat.
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