Der Jazzclub macht dicht

Alexander Grieschat (von li.), Nandor Olah, Stephan Röhler und Karsten Schölermann sind erfahrene Veranstalter. Sie haben schon Events in zahlreichen Hamburger Clubs organisiert. Ab sofort übernehmen sie die Verantwortung für das Programm im Stellwerk. Foto:ast

Ein neues Konzept für das Stellwerk soll für mehr Vielfalt sorgen

Den Jazzclub im Harburger Stellwerk gibt es nicht mehr. Nach knapp sechs Jahren ziehen die Verantwortlichen die Notbremse: „Ohne Gelder und Unterstützung von Seiten der Hamburger Kulturbehörde ist das Projekt nicht länger machbar“, so Heiko Langanke. Der Heimfelder hatte als Erster Vorsitzender des Fördervereins Jazzclub e.V. bis zuletzt die Geschicke der Einrichtung gelenkt.
Gemeinsam mit rund 25 ehrenamtlichen Helfern hatte er dafür gesorgt, dass der Club mit zu den ersten Adressen in Hamburg gezählt wurde. Jazz-Fans konnten hier miterleben, wie lokale und auch überregionale Größen auftraten und zahlreiche Entdeckungen ihre Karriere starteten.
Man habe vor der Wahl gestanden, so Langanke, den Mietvertrag auslaufen zu lassen oder einen Nachfolger zu suchen, der den Veranstaltungsort über den Gleisen im Harburger Bahnhof weiter betreibt. Gefunden hat man die Agentur „Grossstadtttraum“, bestehend aus vier jungen aber erfahrenen Veranstaltern. „Wir wollen zukünftig für alle Musikrichtungen offen sein“, erklärt Stephan Röhler, jetzt auch neuer Erster Vorsitzender des Clubs „Stellwerk“.
Jazz werde es auch weiterhin geben, aber auch Hip Hop, Soul, Funk, Blues und Latin, Comedy, Poetry Slams und Filmabende sollen das Programm abrunden. Im Sommer wird man die Fussball-EM auf der Leinwand miterleben können und den Einstieg wollen die vier an Sylvester mit einem Party mit Live-Bands geben.
Dass sie auch weiterhin ohne nennenswerte Zuschüsse auskommen müssen, ist den neuen Betreibern klar. „Aber wir wollen unserem kulturellen Auftrag nachkommen“, sagt Alexander Grieschat (28) aus Heimfeld. Der gelernte Veranstaltungskaufmann hat bei Hornbacher in Harburg sein Handwerk gelernt und freut sich auf die neue Aufgabe. „Irgendwann mal einen Club zu übernehmen, war schon ein Traum.“
Über 20.000 Euro hat das Team bereits in eine neue Sound- und eine neue Lichtanlage investiert. „Wir müssen zukünftig Geld verdienen, damit wir die Kultur quer finanzieren können“, so Röhler. Damit die Pläne aufgehen, haben sie auch den club3einhalb gegründet. „Externe Veranstalter können den Raum mieten“, sagt Veranstaltungskaufmann Stephan Röhler. Im Januar wird eine Abi-Party stattfinden.

"Jazzclubs sind in Hamburg unerwünscht"
Heiko Langanke (43) hat den Ersten Vorsitz des Fördervereins Jazzclub Hamburg e.V. abgegeben, zukünftig wird er als Schatzmeister tätig sein. Er hatte, gemeinsam mit seinen 25 ebenfalls ehrenamtlichen Mitarbeitern, in sechs Jahren 800 Konzerte veranstaltet, zahlreichen Talenten den Weg geebnet, Jazz-Größen präsentiert und das Stellwerk zu einem der drei großen Jazz-Clubs in Hamburg gemacht. „Wir haben erreicht, was wir wollten“, so das positive Fazit des Heimfelders.
Doch ohne finanzielle Förderung sei die Weiterführung des Jazz-Clubs unmöglich. „Die Stadt Hamburg hat eine brachliegende Jazz-Szene“, sagt Langanke. Es gebe keine Gelder, keine Förderung und noch nicht einmal Gespräche. „Ganz im Gegenteil - in der Kulturbehörde sitzen Leute, die eine Förderung regelrecht verhindern.“
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