„Der Einsatz ist richtig gelaufen“

Eine defekte Heizungsanlage im Haus Beckerberg 9 soll das Gas-Unglück verursacht haben. Drei Menschen kamen dabei ums Leben. Foto: bit
 
Thomas Jahnke, der aus dem Haus Beckerberg 9 gerettet wurde, kritisiert den Ablauf der Rettungsaktion. Foto: as

Gas-Tragödie am Beckerberg: Betroffener erhebt Vorwürfe -
Feuerwehr weist Vorwürfe entschieden zurück

Vor drei Wochen hat ausströmendes Kohlenmonoxid (CO) in einem Wohnhaus am Beckerberg drei Menschen das Leben gekostet. Hätte die Tragödie vermieden werden können? „Ja“, sagt Thomas Jahnke. Der Diplom-Psychologe befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks in einer Wohnung im Beckerberg 9 und wurde selbst von der Feuerwehr gerettet. Sein Vorwurf: „Die Rettungsmaßnahmen sind inkompetent abgelaufen.“
Feuerwehr-Sprecher Thorsten Grams weist dies entschieden zurück: „Das war ein hochdramatisches Ereignis, das will auch niemand herunterspielen. Der Einsatz ist professionell und richtig gelaufen. Nur durch das schnelle und korrekte Handeln konnte Schlimmeres verhindert werden.
Zwischen dem letzten Einsatz in der Nacht und dem Auffinden der Personen lagen knapp zehn Stunden. In diesem Zeit-raum wird es vermutlich zu dem dramatischen Anstieg der CO-Konzentration gekommen sein.“
Nach Auskunft von Thomas Jahnke habe die Feuerwehr bei der Rettungsaktion nur leicht an die Wohnungstüren geklopft. Deshalb sei Jahnke die Wichtigkeit des Einsatzes nicht sofort klar gewesen und er habe erst geöffnet, als er binnen 15 Minuten zum dritten Mal ein Klopfen gehört habe.
Dazu Feuerwehrsprecher Grams: „Wir treten mit dicken Feuerwehrstiefeln gegen die Tür. Das ist nicht leise.“ Auch habe Jahnke nicht von sich aus die Tür geöffnet. „Wir haben die Tür aufgebrochen und den Betroffenen im Wohnungsflur stehend und wenig verständnisvoll vorgefunden. Der nicht ansprechbare Wohnungseigentümer lag im Nebenraum der Wohnung. Im Falle einer Räumung des Gebäudes werden standardmäßig alle Wohnungen kontrolliert und bei Bedarf gewaltsam geöffnet.

Weiterer Vorwurf von Thomas Jahnke: Niemand habe sich um die aus dem Haus geretteten Personen gekümmert. „Wir hätten umkippen, auf die Straße stürzen und uns verletzen können.“
Kommentar Thorsten Grams: „Jeder Gerettete wurde ins Freie zum Patientensammelplatz gebracht, dann vom Leitenden Notarzt gesichtet und untersucht. Auf dem Sammelplatz war stets ein Mitarbeiter. Im weiteren Verlauf sind die weniger stark betroffenen Anwohner zur notärztlichen Sichtung in die naheliegende Rettungswache begleitet worden.“

Thomas Jahnke glaubt, dass die Rettungssanitäter, die in den Stunden zuvor bereits drei Einsätze an der Unglücksstelle hatten, etwas hätten bemerken müssen: „Spätestens nach dem dritten Einsatz mussten doch alle Warnlampen leuchten.“
Antwort von Feuerwehrsprecher Grams: „Sicherlich ist der Rettungswagen-Besatzung aufgefallen, dass es dort eine ungewöhnliche Häufung von Einsätzen gibt. Aufgrund der völlig unterschiedlichen Symptome konnte zu keinem Zeitpunkt auf eine CO-Symptomatik rückgeschlossen werden. Die CO-Thematik wird bereits seit Anfang des Jahres als Projekt bearbeitet. An den im Januar zur Verfügung stehenden Ergebnissen wird sich die Feuerwehr Hamburg ausrichten.“


Berufsfeuerwehr Berlin
Die Berliner Berufsfeuerwehr ist - im Gegensatz zu ihren Hamburger Kollegen - seit Anfang 2013 mit CO-Warnmeldern ausgestattet. „Das ist ausgesprochen sinnvoll. Man hat ein sichereres Gefühl. Der Einsatz solcher Geräte ist einfach zeitgemäß“, sagt Bernd Bruckmoser (Pressestelle Berliner Feuerwehr). „Jeder Einheitsführer hat so einen Melder an seiner Weste, auch an jedem RTW-Rucksack ist so ein Gerät befestigt. Jeder Trupp, der in Räume reingeht, hat soetwas dabei.“
Hat’s geholfen? Bruckmoser: „Die Geräte haben schon Alarm geschlagen, aber meist in Situationen, in denen wir damit gerechnet hatten.“

Wäre die Hamburger Feuerwehr mit CO-Warnmeldern ausgerüstet, hätte die Chance bestanden, dass das Unglück am Beckerberg glimpflicher ausgeht.
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1 Kommentar
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Michael Byl aus Harburg | 28.12.2014 | 19:08  
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