"Das Wetter verwirrt mich"

Zwei Monate absolvierte Yuan-Huang Lin (re.) ein Praktikum bei dem Bürgerschaftsabgeordneten Sören Schumacher. Foto: sl
SABINE LANGNER, HARBURG
Yuan-Huang Lin möchte Diplomat werden - und sich einsetzen für die Verbesserung der deutsch-taiwanesischen Beziehungen. Den Anfang macht er dafür in Harburg. Zwei Monate lang hat der 25-jährige Taiwanese ein Praktikum bei dem Harburger Bürgerschaftsabgeordneten Sören Schumacher absolviert. Hat Akten sortiert, in Sitzungen der verschiedenen Ausschüsse zugehört und nebenbei ein die Stadt kennen gelernt. „Hamburg ist sehr schön“, sagt Yuan-Huang Lin höflich. „Die Menschen sind sehr nett zu mir, nur das Wetter verwirrt mich. In Taiwan scheint entweder die Sonne, oder es regnet. Das dann aber auch den ganzen Tag. Hier verändert sich der Himmel stündlich.“
Für Yuan-Huang Lin ist dies schon der zweite Aufenthalt in Deutschland. Er hat in Taiwan Germanistik studiert und in diesem Zusammenhang auch schon zwei Jahre in Bonn gelebt. Jetzt bereitet er sich auf die Eignungsprüfung für den diplomatischen Dienst vor. Eine der Grundvoraussetzungen ist der sichere Umgang mit fremden Sprachen.
Diplomat zu werden, ist für ihn eine Herzensangelegenheit. „Wir dürfen nicht in die Vereinten Nationen eintreten, weil Taiwan in der Welt immer noch als ein Teil von China gilt. Dabei sind wir eigenständig und haben seit 20 Jahren auch eine demokratische Regierung.“
Genau diese Entwicklung von einer Diktatur zu einer Demokratie war es auch, die Sören Schumacher nachhaltig beeindruckt hat. „Ich war 2009 mit einer Delegation in Taiwan und habe dort Yuan-Huang Lin kennen gelernt“, erinnert sich der SPD-Politiker. „Es hat mich absolut fasziniert, wie auf friedlichem Wege ein solcher Umbruch möglich war. Und ich finde, solche Entwicklungen muss man unbedingt unterstützen, daher habe ich auch gleich zugesagt, dass Yuan-Huang Lin hier ein bezahltes Praktikum absolvieren kann.“
Auch für Sören Schumacher ist der Praktikant aus Fernost eine interessante Erfahrung. „Ich habe noch nie so viel über Deutschland und deutsche Regularien gelernt, wie in der letzten Wochen“, schmunzelt Sören Schumacher. „Man kann sich kaum vorstellen, wie kompliziert das Visumverfahren, die Meldeangelegenheiten beim Einwohneramt, die Erteilung einer Steuernummer und die Abrechnung mit der Bürgerschaftskanzlei sein kann.“
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