„Das war Körperverletzung“

Eine Zeugin nahm dieses Foto auf. Die Polizei fahndete damit nach den Übeltätern. Foto: polizei

Geldstrafe für Mutter, die ihr Kleinkind im Bus geschlagen hatte

Von Bernhard Bruno.
Die kleine Emily, gerade einmal zwei Jahre und zehn Monate alt, war ihrer Mutter schutzlos ausgeliefert. Am 2. Oktober 2014 trat die damals 22 Jahre alte Sandy D. im Bus der Linie 130 zwischen Billstedt und Rothenburgsort zwölfmal zu, traf Emily an Knie, an der Hüfte und an der Hand. Die Kleine schrie auf, beruhigte sich bald wieder, bis ihre Mutter ihr noch ein paar Mal mit der flachen Hand ins Gesicht schlug und drohte: „Warte, bis wir zu Hause sind.“
Jetzt ist Sandy D. vom Amtsgericht Harburg wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ihr Vater, der 52 Jahre alte Bernd D., hatte die ganze Zeit im Bus teilnahmslos daneben gesessen. Er ist ebenfalls verurteilt worden – wegen Körperverletzung durch Unterlassung. Wenn eine junge Frau, die im Bus ganz in der Nähe saß, die Szene nicht fotografiert und die Fotos der Polizei geschickt hätte, wären Sandy D. und ihr Vater wohl ungeschoren davongekommen.
Vor Gericht schwieg die Mutter, dafür redete ihr Vater. Damit hat er seiner Tochter und sich sicher keinen Gefallen getan. Denn er bestritt jegliche Form von Gewalt, behauptete frech, Emily sei eher ein Opfer des Busfahrers, der angeblich besonders ruppig unterwegs war. Bei einem heftigen Bremsmanöver habe sich seine Enkelin wohl am Kopf gestoßen. Mehr sei da aber nicht gewesen, Schläge ins Gesicht schon gar nicht.
Glaubwürdig war das nicht. Denn schon als der Angeklagte noch einmal schildern sollte, wer im Bus wo gesessen hatte, verwickelte er sich in Widersprüche. Wenn seine Darstellung gestimmt hätte, hätte sich Emily bei einem Bremsmanöver nie den Kopf stoßen können, sie wäre schlicht nach vorn vom Sitz gefallen.
Eine zweite Zeugin bestätigte weitgehend die Aussagen der Frau mit der Kamera. Sie wirkte besonders glaubwürdig, da sie als Pädagogin fachkundig einschätzen konnte, was sich da zwischen Emily und ihrer Mutter abgespielt hatte. Amtsrichterin Dagmar Wichmann brachte es auf den Punkt: „Das war Körperverletzung. Da gibt es keine zwei Meinungen.“
Nun muss Hartz-IV-Empfängerin Sandy D. 90 Tagessätze à sieben Euro abstottern, ihr Vater 50 Tagessätze à 25 Euro.
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