Bücherhalle „schafft Bücher ab“

Hier stand die Brockhaus-Enzyklopädie. Jetzt verweist ein Hinweisschild auf die Online-Ausgabe. Foto: oz

Harburger Rentner beschwert sich: Lexika wurden ausgemustert - doch jetzt können Besucher kostenlos online nachschlagen

Früher war es einfach. Wer Antwort auf eine knifflige Frage finden wollte, konnte im Lexikon nachschlagen. Entweder zu Hause oder in der Bücherhalle. Doch Bücherhallen funktionieren längst nicht mehr so wie früher. Das hat jetzt Siegfried Poeppel erlebt. „Die haben einfach die Bücher ausgemustert und mir gesagt ‘steht alles im Internet“, hadert der 80-jährige Harburger. Ein heftiger Vorwurf, der nicht ganz richtig, aber auch nicht völlig falsch zu sein scheint.
Worum geht’s? Der Senior wollte in der Bücherhalle Harburg in der Eddelbüttelstraße einen Band des „Brockhaus“, der bekannten Enzyklopädie, ausleihen. Pech für ihn: Die Brockhaus-Bände waren bereits vor Monaten ausgemustert worden.
Warum? Einige Inhalte waren längst überholt. „Ich habe gesehen, wie ein Schüler den Begriff „DDR“ nachgeschlagen und gelesen hat: ‘Ein Staat in Mitteleuropa, der an die BRD grenzt’“, erzählt Bücherhallen-Leiterin Anke Zumdohme. „Bei uns stand die vorvorletzte Ausgabe und dort waren einige Eintragungen irreführend.“
Aber trotzdem muss niemand die Bücherhalle „unwissend“ verlassen. Für Besucher stehen sechs PC mit Online-Zugang zur Verfügung. An ihnen kann man kostenlos (!) unter anderem in den neuesten Ausgaben des Brockhaus-Online, der Encycopledia Britannica, im Munzinger Archiv oder in 1.500 tagesaktuellen internationalen Zeitungen und Zeitschriften stöbern.
Älteren Besucher, die mit Computern nichts anfangen können, rät die Bücherhallen-Leiterin: „Kommen Sie auf uns zu. Wir helfen gern.“
Übrigens: Der Brockhaus wird heute gar nicht mehr in gedruckter Form hergestellt...

Nutzungsstatistiken verschiedener Bibliotheken haben gezeigt, dass ältere Menschen Bücherhallen weniger nutzen als andere Altersgruppen. Mit Hilfe von besonderen Angeboten wie Belletristik in Großdruck, Hörbüchern, Vorlesebüchern für Erwachsene oder speziellen PC-Einführungskursen soll diese Gruppe erreicht werden. Quelle: Deutscher Bibliotheksverband.
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Karsten Strasser aus Altona | 01.11.2013 | 12:09  
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