Berufsagentur nur für Jugendliche

Ohne Ausbildungsplatz wird der Start ins Berufsleben schnell zum Fehlstart. Foto: Benjamin Thorn / pixelio.de

Ab dem 3. September sitzen die Fachleute von Arbeitsagentur, Job-Center und Jugendamt gemeinsam in der Neuen Straße

Künftig können sich Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren mit Fragen rund um Bewerbung und Jobsuche in einer eigenen Agentur beraten lassen. Hamburg will bis 2014 als erstes Bundesland flächendeckend sogenannte Jugendberufsagenturen (JBA)einrichten. Die beiden ersten werden in den Bezirken Harburg und Mitte ihre Pforten öffnen, in Harburg auch deshalb, „weil im Job-Center in der Neuen Straße Räume zur Verfügung stehen und man nicht extra anmieten muss“, erklärt Knut Böhrnsen, Sprecher der Arbeitsagentur.
Ab dem 3. September werden hier die Fachleute von Arbeitsagentur, Job-Center und Jugendamt künftig gemeinsam den Jugendlichen bei der Suche nach Ausbildung und Job behilflich sein. Kurze Wege - koordinierte Angebote: „Alle Akteure sitzen unter einem Dach“, so Böhrnsen.
„Jugendliche, die Hilfe benötigen, mussten sich bisher an die Schule, die Berufsberatung, das Jobcenter und , bei familiären Problemen, auch an das Jugendamt wenden“, erklärt Heike Böttger, Sprecherin von Team-arbeit.hamburg. Jetzt wird es nur noch eine Anlaufstelle geben. Damit niemand verloren geht, sollen die. Schulen alle Jugendlichen der Abgangsklassen erfassen. Mit einer Einverständniserklärung stimmen Jugendliche und Eltern zu, dass die Daten an die JBA übermittelt werden.
Gerade den Übergang von Schule zu Ausbildung gelte es zu begleiten, denn: „Es macht mich betroffen, wenn ich junge Leute sehe, deren berufliche Lebensperspektive mit Arbeitslosigkeit und Hartz IV beginnt“, sagt Friedhelm Siepe, Geschäftsführer des Jobcenters team.arbeit.hamburg. Tatsächlich sprechen die Zahlen für sich: 3.600 Hamburger Schulabgänger waren im April ohne Ausbildungsplatz, 620 davon allein in Harburg. 772 junge Harburger unter 25 Jahren sind sogar arbeitslos gemeldet (4.900 in ganz Hamburg).



Info-Kasten:
Wer seinen Ausbildungsplatz nicht antritt, die Lehre abbricht oder nicht mehr aktiv sucht, muss auch mit einem Hausbesuch der Berater rechnen. „Wir schreiben einen Brief, wir rufen an, wir gehen hin – und das machen wir bis zu einem Alter von 25 Jahren unbegrenzt häufig“, sagt hierzu Senator Detlev Scheele.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht hierin den falschen Weg: Der Senat versuche mit „fürsorglicher Belagerung“ die jungen Menschen in die JBAs zu zwingen und den gläsernen Jugendlichen zu schaffen. Petra Lafferentz, Fachberaterin für Jugendberufshilfe: „Druck und Bevormundung sind bei diesen Jugendlichen, die häufig in komplizierten Verhältnissen aufgewachsen sind, Probleme mit Drogen oder erste Erfahrungen mit Polizei und Justiz haben, allerdings das absolut falsche Mittel."
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