Behörden nicht Herr der Lage?

Es ist einfach kein Platz mehr: Im früheren Postgebäude schlafen die Flüchtlinge teilweise auf den Gängen. Foto: andré lenthe

Erstaufnahme Harburger Poststraße: Über 400 Menschen mussten
im Parkhaus oder im Freien übernachten

Alle in Hamburg eintreffenden Flüchtlinge kommen erst einmal nach Harburg, in die Erstaufnahmestelle Harburger Poststraße. Dort sind längst alle Plätze belegt, die Flüchtlinge campieren auf den Fluren und Gängen. Vor einer Woche ging nichts mehr, über 400 Menschen mussten im angrenzenden Parkhaus und unter
Brücken übernachten.
Essen, Getränke, warme Kleidung und Decken konnten, so berichtete die Linke in einer Mitteilung, „nur dank eilig mobilisierter Spenden gestellt werden.“ „Es macht mich fassungslos, dass es offensichtlich nicht möglich ist im Rahmen der Gefahrenabwehr mit einer mobilen Suppenküche, Tee und Decken zu helfen“, sagt André Lenthe (Linke Harburg).
Nach Ansicht der Innenbehörde stimmt diese Darstellung nicht. Björn Domroese, Leiter des Senatorenbüros, entgegnet: „Die Behörde hat bis weit nach Mitternacht (3 Uhr) warmes Essen und heiße Getränke bereitgestellt. Auch Decken wurden verteilt. Zutreffend ist, dass viele Bürger nach Harburg gekommen sind und Hilfe angeboten haben und auch Decken, Bekleidung und heiße Getränke dabei hatten. Das Restaurant Viviano hat zum Beispiel 150 Pizzen gespendet. Die Behörde hat diese Hilfe dankbar angenommen, war aber auf diese Situation vorbereitet.“
Im Bezirksamt Harburg scheint die Dramatik der Situation nicht überall angekommen zu sein, wie folgendes Beispiel zeigt. Eine Harburger Seniorin wollte der Verwaltung ein Haus nennen, das seit Jahren leer steht und vielleicht für die Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden könnte: „Ich habe im Harburger Rathaus angerufen, wurde immer weiter verbunden, habe mit fünf verschiedenen Mitarbeitern gesprochen, aber niemand war zuständig. Am Ende wurde mir gesagt, ich solle doch in die Erstaufnahme zur Poststraße gehen und dort mit dem Leiter reden.“
Kommentar von Bezirksamtssprecherin Bettina Maak: „Wohnungsleerstand ist anzeigepflichtig. Zuständig sind die Abteilungen Wohnraumschutz in den Bezirksämtern. Zur telefonischen Erreichbarkeit verweisen wir stets auf den Telefonischen Hamburg Service 428 280 oder 115, der von Montag bis Freitag von 7:00 bis 19:00 Uhr erreichbar ist.“
Übrigens: Die engagierte Seniorin hatte an das ehemalige Hotel in der Moorstraße, gegenüber dem Phoenix-Center, gedacht. „Das steht schon seit Jahren leer, der aktuelle Zustand ist nicht bekannt“, teilt die Bezirksamtssprecherin mit.
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1 Kommentar
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Sylvia Schmitt aus Neuland | 07.10.2015 | 08:17  
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