Baden verboten !

Offiziell gibt es am Neuländer Baggersee nur eine „Liegewiese“. Doch viele Harburger trauen sich trotzdem ins Wasser. Foto: panthermedia

Schlechte Nachricht für Harburger Wasserfreunde:
Im Neuländer Baggersee ist das Baden weiterhin nicht erlaubt

Strahlender Sonnenschein und sommerliche Temperaturen locken regelmäßig viele Harburger an den Neuländer Baggerteich. Nicht selten wird die Liegewiese im Norden des Teiches als Badestelle genutzt. Dass das Baden hier strikt verboten ist, stört nur wenige.

Aber warum gilt im Neuländer Baggersee ein Badeverbot? „Dort wird immer noch gebaggert, also Kies gefördert. Dadurch gibt es steile Böschungen. Man kann lange durch knietiefes Wasser waten und ist dann plötzlich und unerwartet an einer dieser Böschungen und - weg“, erklärt Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde. „Wegen dieses hohen Sicherheitsrisikos brauchen wir noch nicht einmal darüber nachzudenken, den Neuländer Baggersee bei der EU als Badegewässer anzumelden - es wäre chancenlos. Das Badeverbot setzt der Bezirk durch.“
Ein wenig anders argumentiert das Bezirksamt Harburg. Sprecherin Bettina Maak: „Ein EU-Badegewässer muss mindestens einen Meter Sichttiefe haben. Der See hat nur eine Sichttiefe von 0,5 bis 0,4 Meter. Der gemessene pH- Wert des Wassers liegt immer über 9 (leicht basisch), sollte aber einen Wert zwischen 6 -9 haben. Beides sind Ausschlusskriterien für ein offizielles Badegewässer.“
Obwohl Baden hier verboten ist, wird die Wasserqualität des Sees nach Angaben der Verwaltung allein in diesem Jahr sieben Mal untersucht - zuletzt am 20. Mai. Bettina Maak: „Die Wasserqualität ist seit Jahren unverändert.“

Kontrolliert der Bezirk, ob das Badeverbot eingehalten wird? Nein. Regelmäßige Kontrollen gibt es nicht. „Anlassbezogenen Hinweisen“ wird nachgegangen. In den vergangenen Jahren hat der inzwischen aufgelöste Bezirkliche Ordnungsdienst (BOD) regelmäßig am Baggersee vorbeigeschaut - aber nie Verbotenes entdeckt... „Illegal Badende hat der BOD nicht gesehen. Es wurden auch keine Bußgelder verhängt“, so Bettina Maak.

Gutachter: abgetrennte Badezone möglich

Im Jahr 2009 hatte das Hamburger Gutachterbüro „KLS Gewässerschutz“ festgestellt, dass der Neuländer Baggersee nur mit sehr hohem finanziellen Aufwand in ein Badegewässer umgewandelt werden kann.
Gutachter Dr. Jürgen Spieker schlug deswegen vor, einen rund 1.000 Quadratmeter großen Bereich mit Spundwänden vom restlichen See abzutrennen und dort eine Badestelle einzurichten. Kosten: etwa eine Million Euro. Das Wasser in diesem Bereich ließe sich ohne großen Aufwand sauber halten.
Warum wurde dieser Vorschlag bislang nicht umgesetzt? Dafür gibt es zwei Gründe: Hohe Kosten sowie der Naturschutz. „Zu den 2009 angenommenen Investitionskosten von 1,4 Millionen Euro wären noch jährliche Betriebskosten von ca. 55.000 € gekommen“, erklärt Bezirksamtssprecherin Bettina Maak.
Außerdem sind der Baggersee und seine Umgebung als Landschaftsschutzgebiet eingestuft. Bettina Maak: „Eine Einstufung des Sees als EU- Badegewässer wurde abgelehnt, da dies Einrichtungen wie Duschen, Kiosk, Toiletten, Wasserrutschen usw. erforderlich machen würde. Entsprechende Einrichtungen würden dem Landschaftsschutz entgegenstehen. Zudem müsste die Spundwandabtrennung jedes Jahr nach der Badesaison entfernt und zu Beginn der Badesaison wieder montiert werden. Diese Kosten wurden in den Betriebskosten nicht berücksichtigt.“
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