Aus für Electronic 70

Petra und Peter Böhmer schließen ihr Geschäft Electronic 70 am Heiligen Abend. Foto: sl
SABINE LANGNER, HARBURG
Heiligabend ist Schluss für Petra und Peter Böhmer in Harburg. Electronic 70 am Küchgarten schließt. „Mein Mann arbeitet 60 bis 70 Stunden in der Woche und bringt netto 800 Euro nach Hause“, sagt Petra Böhmer. „Da bleibt nichts übrig für die Rente. Deshalb haben wir uns jetzt entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen.“

Mehr als 40 Jahre war Electronic 70 die Anlaufstelle in Harburg, wenn es um elektronische Bauteile ging. Acht Jahre leitete Peter Böhmer das Geschäft. Für Bastler war der kleine Laden mit den vielen Tausend kleinen Schubladen voller Stecker, Kabel und anderen Bauteilen ein Paradies. „Aber“, so Peter Böhmer, die Zeiten ändern sich.“ Früher sei es für viele Menschen selbstverständlich gewesen, sich Lautsprecherboxen selber zusammen zu bauen. Heute gäbe es an jeder Ecke, hochwertige Geräte, die oft auch noch extrem günstig seien.

Weil sich dieser Trend schon eine ganze Weile abzeichnete, weitete der gelernte Elektroinstallateur sein Geschäft immer weiter aus. Er reparierte kaputte Akkus und füllte Tintenpatronen für Drucker nach. Gleichzeitig war er oft die letzte Station für verzweifelte Kunden, die in großen Geschäften keine Ersatzteile für Telefone oder andere elektrische Geräte bekamen. „Es ist ja schön, einen guten Ruf zu haben“ sagt Petra Böhmer. „Aber letztlich verdient man damit nichts.“ Hinzu kamen Insolvenzen von großen Kunden. Statt mehrerer Tausend Euro bekam Peter Böhmer nur ein paar Hundert Euro aus der Insolvenzkasse. Aufgeben kommt für Familie Böhmer allerdings nicht in Frage. In Klecken hat Peter Böhmer eine kleine Werkstatt eingerichtet, in der er sich zukünftig auf die Reparatur von Akkus spezialisieren wird.

Was aus den Geschäftsräumen ab 1. Januar 2012 wird, wissen die Böhmers nicht. Aber positive Erwartungen haben sie nicht. „Als wir hier angefangen haben, gab es am Küchgarten ein Fahrradgeschäft, eine Druckerei, Deko-Meyer, ein Schuhgeschäft und einen Supermarkt“, erinnert sich Petra Böhmer. „Inzwischen gibt es hier gleich zwei Hartz-IV-Kaufhäuser, eine Billardhalle, ein Wettbüro, und die Druckerei steht leer. Eine positive Entwicklung sieht anders aus.“
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