Auch im Hafen gibt’s Kultur

Ein etwas anderer Veranstaltungsort: der Speicher am Kaufhauskanal. Foto: pr
 
Für den New Yorker Metropolitan Opera-Dirigenten Fabio Luisi (r.) arbeitete Henry C. Brinker genau so wie für Semperoper, die Elbphilharmonie und den Mitteldeutschen Rundfunk. Heute berät der Kulturmanager Medien und Kultureinrichtungen und leitet als Geschäftsführer den Speicher am Kaufhauskanal. Foto: pr

Speicher am Kaufhauskanal: neues Programm – Geschäftsführer Brinker kritisiert Lokalpolitik

Der Speicher am Kaufhauskanal hat sich als Kulturspielstätte und Eventlocation etabliert. Die neue Saison steht unter dem Titel „Zeichen-
Zauber-Zeitenwende: 500 Jahre Epochenwandel Reformation“.
In sechs eigenen Veranstaltungen wird der 500. Jahrestag des Wittenberger Thesenanschlags aufgegriffen. Auf dem Programm stehen spannende Veranstaltungen mit namhaften Musikern, Schauspielern und Wissenschaftlern. Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe „500 Jahre Reformation“ von einem Vortrag des ehemaligen Verfassungsrichters Prof. Paul Kirchhoff am 1. Februar. Hinzu kommen mindestens 15 weitere, hochkarätige Gastveranstaltungen vom Musikfest Buxtehude bis zu den Niedersächsischen Musiktagen.

Erfolgreiche Lokalpolitik verlangt
Projekte zur geistigen Orientierung


Um die Bewirtschaftung des Speichers am Kaufhauskanal kümmern sich künftig allein Geschäftsführer Henry C. Brinker und Ehefrau Dorothee. Eigentümer Rolf Lengemann zieht sich aus dem operativen Geschäft weiter zurück.
Besonders am Herzen liegt Henry C. Brinker die Projekt-Partnerschaft mit Harburger Kirchengemeinden und dem Archäologischen Museum (Helms-Museum). Denn auf Herzog Otto I von Harburg geht eine reformatorische Bibliothek des Museums zurück. Otto I hat selbst zur Lutherzeit in Wittenberg studiert und die Einführung der Reformation in Harburg und Lüneburg maßgeblich befördert.
Insgesamt hatte sich der Speicher-Geschäftsführer beim Thema Reformation mehr Unterstützung durch die örtliche Politik gewünscht: „Erfolgreiche Lokalpolitik verlangt nicht nur Beschäftigung mit Infrastruktur und Immobilien, sondern auch Projekte zur geistigen Orientierung. Und wer zum Beispiel beim muslimischen Fastenbrechen zu Recht religiöse Vielfalt unterstützt, täte gut daran, auch in Bezug auf das gewachsene, kulturelle Erbe der eigenen Heimat ein entsprechendes Interesse an den Tag zu legen.“

Speicher am
Kaufhauskanal
Blohmstraße 22
21079 Hamburg
Tel 76 75 78 88
❱❱ www.speicher-am-
kaufhauskanal.de


Interview mit Speicher-Geschäftsführer Henry C. Brinker

Henry C. Brinker fühlt sich von der Harburger Lokalpolitik enttäuscht. Warum? Das Wochenblatt hat nachgefragt.
Was genau werfen Sie der Kommunalpolitik vor? Der Harburger Kulturpolitik fehlt oft Inspiration, Kreativität und der kundige Blick für die veranstalterischen Herausforderungen angesichts bedeutender Anlässe wie dem Reformationsjubiläum. Hier hat der Mantel der Weltgeschichte Harburg gestreift, aber den Kulturverantwortlichen ist das ziemlich egal. Auf unseren Einzel-Förderantrag zum Lutherjahr-Projekt reagierte beispielsweise der Kulturausschuss mit der Aufforderung, doch bitte erst einmal bei anderen, potentiellen Geldgebern vorstellig zu werden. Den besonderen Harburger Betreff haben die Entscheider offensichtlich nicht erkannt und wir können nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten.

Es fehlen Projekte zur geistigen Orientierung? Eine einheimische Stadtbevölkerung, die einen starken Migrationsdruck verarbeiten muss, braucht deutlich wahrnehmbare Angebote der kulturellen Selbstvergewisserung und Identifikation mit der Heimat. Sonst entsteht schnell der Eindruck, dass die angestammte Bevölkerung bei allen wichtigen Integrationsbemühungen vergessen wird.
Bürgerstolz und Heimatliebe sind wichtige Voraussetzungen für ein funktionierendes Gemeinwesen und müssen systematisch gestärkt werden, zum Beispiel durch die Pflege der Erinnerungskultur in Bezug auf positive, historisch-kulturelle Leistungen. Von denen dann sogar eine Vorbildwirkung für ausländische Mitbürger aus anderen Kulturen ausgehen kann.

Wo fehlt aus Ihrer Sicht die Unterstützung? Bei jeder Mittelvergabe muss immer nach den tatsächlichen Botschaften gefragt werden, die ein Ereignis tragen. Und nach der wirklichen Bedeutung für unser Leben. Unterhaltungsbühnen, Imbissbuden und Verkaufsstände allein sind kein Ereignis, wichtig ist die Einbindung in eine gedankliche Gesamtkonzeption. Glanz und Genuss sind ok, aber alles sollte Botschaft und Bedeutung transportieren.


Was sagt die Politik?
Stellungnahme des Kulturausschuss-Vorsitzenden Ralf-Dieter Fischer

Der Speicher am Kaufhauskanal erhält keine Fördermittel des Bezirks. Ein Grund für Henry C. Brinker, heftige Kritik an der Kommunalpolitik zu üben. Für die gescholtenen Politiker nimmt Ralf-Dieter Fischer (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses, Stellung.
„Der Speicher im Kaufhauskanal hebt Harburg im Kulturbereich in eine andere Klasse“, lobt Fischer. „Die Bezirksversammlung ist aber nicht dazu da, um gewerbliche Veranstaltungen von Herrn Brinker in die Gewinnzone zu führen.“
Können die Veranstaltungen zum Reformationsjahr vom Bezirk finanziell unterstützt werden? „Im Kulturausschuss herrschte über alle Parteigrenzen hinweg die Meinung, dass diese gewerblichen Veranstaltungen nicht förderungsfähig sind. Die Verwaltung soll jetzt klären, wie die Evangelische Landeskirche und die Senatskanzlei, die seit über zwei Jahren am Programm für das Reformationsjahr arbeiten, zu diesen Veranstaltungen im Speicher stehen. Falls beide die Gemeinnützigkeit bejahen, könnten wir diese Veranstaltung mit maximal 2.500 Euro fördern. Aber noch liegt uns keine Stellungnahme vor.“
Henry C. Brinker hatte in Harburg kurzfristig - der Antrag ging am 31. Oktober 2016 ein - eine Förderung in Höhe von 10.000 Euro beantragt. Ralf-Dieter Fischer: „Zuvor war er nördlich der Elbe von Pontius zu Pilatus gelaufen und hatte keine Förderung bekommen.“
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