Arizona einmal anders

Trainingsraum-Lehrerin an der Katholischen Schule Harburg: Kirsten Kilbinger. Foto: koch

Ungewöhnliches Projekt an der Katholischen Schule Harburg

Von Christine Koch. HARBURG.
Torsten konzentriert sich. Er zielt - und Abschuss. In hohem Bogen fliegt die weiße Papierkugel und trifft das anvisierte Ziel, seine Mitschülerin Nele, an der linken Wange. Bevor diese sich beschweren kann, reagiert die Lehrerin: „Torsten, du hast dich soeben für den Trainingsraum (TR) entschieden.“
Torsten erhält einen Zettel, nimmt seinen Füller und begibt sich auf den Weg zum TR. „Du hast dich mit unterrichts-fremden Gegenständen beschäftigt und dich nicht an die Anweisungen deiner Lehrerin gehalten“, sagt die Trainingsraum-Lehrerin, nachdem sie den mitgebrachten Zettel gelesen hat. „Jetzt erhältst du Gelegenheit nachzudenken und eine Stellungnahme zu schreiben“, erklärt sie und überreicht Torsten ein Blatt mit der Überschrift „Rückkehrplan“.
Vor dieser Situation können Schüler der Katholischen Schule Harburg (KSH) jeden Tag stehen, wenn sie sich dazu entscheiden. 2007 wurde hier das so genannte Arizona-Projekt - benannt nach dem von Edward Ford 1994 in Phoenix/Arizona durchgeführten Schulversuch - eingeführt.
Die Leitsätze sind: Jeder Schüler hat das Recht, ungestört zu lernen. Jeder Lehrer hat das Recht ungestört zu unterrichten. Jeder muss die Rechte des anderen achten. Schüler, Lehrer und Mitarbeiter der Schule gehen respektvoll miteinander um. Was aber so selbstverständlich klingt, ist für einige Schüler schwer einzuhalten.
Kirsten Kilbinger (TR-Lehrerin) erzählt: „Im ersten Schulhalbjahr nach der Einführung besuchten uns 385 Kandidaten. Die Schüler haben schnell gemerkt, dass die Zeit im TR nichts mit unterrichtsfrei oder ‘Party machen’ zu tun hat.“ Um wieder am Unterricht teilneh-men zu dürfen, müssen die Schüler einen Rückkehrplan erarbeiten.
Dieser beinhaltet neben der Beschreibung des Vorgefallenen, die Angabe für den Grund der Regelverletzung und der daraus resultierenden Folgen. Die Erklärung, wie sie zukünftig ihr Handeln ändern, der Versuch einer Wiedergutmachung und ein Lehrer-Schülervertrag bilden den Abschluss.
Der Plan wird in zweifacher Ausfertigung gefordert und zum Entsetzen der Schüler achtet man auf Rechtschreibung. „Es zeigt Wirkung“, erklärt Kirsten Kilbinger, „die Besucherzahlen sanken im letzten Halbjahr auf 64 Schüler. Viele vermeiden es den TR dreimal zu besuchen, weil dann Lehrer-Elterngespräche folgen.“


Damit das Projekt noch lange weiterlaufen kann, werden Eltern gesucht, die das TR-Team verstärken wollen. Infos gibt es bei Programmkoordinatorin Juliane Eisele. Bei Interesse bitte eine
Mail an JulianeEisele@t-online.de senden.
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