Anwohner kämpfen gegen Flüchtlingsunterkunft

Über 100 Anwohner haben im Vereinshaus des Bostelbeker Sportvereins am Sonntag den Verein „Bürgerinitiative Bostelbek“ gegründet. Foto: pr

Verein „Bürgerinitiative Bostelbek“ gegründet - Vorsitzende: Ineke Siemer

Bostelbeks Siedler wollen nicht klein beigeben. Über 100 Anwohner haben am Sonntag den Verein „Bürgerinitiative Bostelbek“ gegründet. Mit Hilfe des Vereins soll der Bau der Flüchtlingsunterkunft Am Radeland noch verhindert werden. „Wir haben genug von der Ignoranz unserer Bürgerrechte und Verwaltungswillkür. Wir lassen uns nicht vor vollendete Tatsachen stellen“, heißt es im Gründungsschreiben. Wie die BI
Bostelbek jetzt weiter vorgehen wird, steht noch nicht fest. Erst einmal wird juristischer Rat eingeholt.
Als Beispiel gelungener Bürgerbeteiligung dienen die vergangenen Wochen gewiss nicht. Es wurden Entscheidungen getroffen, Bäume gefällt und danach Anwohner informiert. Die Chance, die Bostelbeker in dieser sensiblen Angelegenheit mit ins Boot zu holen, war vertan.
Ein paar Fakten: Ende August 2013 schlug der Bezirk (!) das Gelände am Radeland für die Unterbringung von Flüchtlingen vor. „Nach einer Besichtigung im September 2013 wurde die Fläche als geeignet eingestuft“, sagt Nicole Serocka (Sozialbehörde).
Vor dem Hintergrund steigender Flüchtlingszahlen und fehlender Unterkünfte zeichnete sich deutlich ab, dass die Bostelbeker Pferdewiese gebraucht werden würde. Doch vom Bezirk gab es dazu kein Wort.
Am 27. Januar beantragte der Betreiber der künftigen Unterkunft, fördern&wohnen, Baumfällungen auf dem Gelände. War bei Antragstellung erkennbar, dass die Baumfällungen den Auftakt für den Bau der Flüchtlingsunterkunft bilden? Behördensprecherin Serocka: „Das Bezirksamt Harburg ist am 27. Januar über die Planungen einer Einrichtung informiert worden.“
Im Harburger Rathaus ist diese Botschaft nicht angekommen. Die Behörde habe den Bezirk erst mit einem Brief vom 17. Februar über die Pläne informiert, teilt Sprecherin Bettina Maak mit. Merkwürdig: Bereits am 6. Februar gab der Bezirk grünes Licht für die Baumfällungen. Doch auch diese Information soll erst nach vielen Tagen aus dem Bauamt zum Bezirksamtsleiter durchgesickert sein...
Als die Bäume gefällt wurden, dämmerte den Anwohnern, dass die Entscheidung über die Flüchtlingsunterkunft längst gefallen war. Die erste Informationsveranstaltung des Bezirksamtes Harburg fand am Dienstag, 17. März, statt.

Was genau ist geplant?
Auf der „Pferdewiese“ in Bostelbek, Am Radeland/Bostelbeker Damm, sollen in zehn Pavillons insgesamt 216 Flüchtlinge untergebracht werden. Ein Pavillon, die Sozialbehörde spricht von Wohnmodul, hat eine Brutto-Grundfläche von 350 Quadratmetern. Um die Flüchtlinge soll sich ein Unterkunfts- und Sozialmanagement kümmern (Schlüssel 1:80). Außerdem steht ein Technischer Dienst zur Verfügung (Schlüssel 1:160). Unterkunftsmanagement und Technischer Dienst werden nach Auskunft der Sozialbehörde „zu den üblichen Geschäftszeiten“ vor Ort sein. Die Pavillons sollen noch in diesem Jahr aufgestellt werden.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
45
Andreas Steffes aus Harburg | 18.03.2014 | 13:59  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.