Angst ums Trinkwasser

Im rot markierten Gebiet, das auch weite Teile von Harburg und Wilhelmsburg umfasst, darf allein Exxon Mobil bis zum 31.12.2015 nach Erdgas suchen. Bohrungen sind auf Grund dieser Berechtigung nicht möglich. Hierfür sind weitere Genehmigungen nötig, die bislang aber nicht beantragt worden sind. Grafik: VIERLAENDER.de (www.vierlaender.de)

Exxon Mobil plant im Hamburger Süden Schiefergasförderung durch Fracking

Aus dem Wasserhahn tropft Öl, Wasserleitungen explodieren - TV-Bilder aus den USA und Kanada zeigen eindrucksvoll, was passieren kann, wenn die Suche nach Erdgas und Erd-öl aus dem Ruder läuft. Als besonders umstritten gilt die als Fracking bezeichnete Fördertechnik. Jetzt hat das Thema Fracking auch Harburg erreicht. Die Firma Exxon Mobil darf bis Ende 2015 erforschen, ob in tiefen Schiefergesteinsschichten Erdgas verborgen ist, das mittels Fracking abgebaut werden kann. Zum rund 150 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet gehören auch weite Teile von Harburg und Wilhelmsburg.
Dass demnächst auf dem Harburger Schwarzenberg ein Bohrturm aufgestellt wird und dann die Schiefergasförderung beginnt, ist aber unwahrscheinlich. „Die erteilte Erlaubnis berechtigt nicht zur Durchführung von technischen Maßnahmen wie etwa dem Niederbringen von Erkundungsbohrungen oder seismische Untersuchungen“, erklärt Björn Völlmar vom zuständigen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). „Mit ihr wird sozusagen nur ein zeitlich befristeter Claim abgesteckt.“ Allein bereits vorhandene seismische Daten und vorhandene Bohrproben dürfen ausgewertet werden.
Falls Exxon Mobil Erkundungsbohrungen durchführen möchte, muss dies beim LBEG beantragt werden. Vor einer Entscheidung sind Stellungnahmen von Betroffenen sowie von Hamburger Behörden nötig. Die Umweltbehörde hat bereits grundsätzliche Bedenken angemeldet.
Übrigens: Bei der Genehmigung von Vorhaben mit einem Fördervolumen von bis zu 500.000 Kubikmeter Erdgas am Tag ist nach der derzeitig bundesweit geltenden Regelung keine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgeschrieben.
„Ich gehe davon aus, dass neue Regelungen geschaffen werden müssen, die sowohl eine verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfung als auch ein Verbot der Methode in Wasserschutzgebieten vorsehen“, sagt Harburgs CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver. SPD-Umweltexpertin Monika Schaal urteilt: „In Gebieten, wo Trinkwasser gewonnen wird - wie im Hamburger Süden -, wäre Fracking unverantwortlich.“

Wissenswertes zum Thema Fracking
Hydraulic Fracturing oder kurz „Fracking“ ist eine in den 1940er Jahren entwickelte Methode der Erdöl- und Erdgasförderung. Mit Tiefbohrungen wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien ins (Schiefer-)Gestein gepresst. So entstehen Risse, durch die Gas/Öl entweichen kann.
Der in großen Mengen ins Gestein gepresste Chemiecocktail wird wieder abgepumpt und muss, weil stark mit metallischen Salzen belastet, besonders entsorgt werden. Umweltschützer befürchten, dass das Chemikalien-Gemisch das Grundwasser verseuchen kann. Auch könnten Erdbewegungen ausgelöst werden.
Eine Bohrung „zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen“ kostet nach Angaben des LBEG zwischen 10 und 15 Millionen Euro. Der Gebührenrahmen für die Erlaubnis liegt beispielsweise in Schleswig-Holstein zwischen 675.000 und 6,725 Mio Euro. Gebühren werden meist in der Nähe der Höchstgebühr erhoben.
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Manfred Hagel aus Harburg | 27.03.2013 | 19:00  
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