Am Schippsee: Ohne Fahrstuhl im sechsten Stock

Harburger Rentner-Ehepaar sitzt im Herbert-Wehner-Haus fest

Von Andrea Stein.Harburg.
Für Werner Naecker ist das Leben auch so schon schwer genug: Der 70jährige hat gerade eine schwere Herz-Operation hinter sich. Drei Bypässe habe er bekommen, sein Herz bringe nur noch 15 Prozent der normalen Leistung. „Das Gehen und die täglichen Besorgungen sind sehr anstrengend für mich.“ Hinzu kommt, dass seine Frau ebenfalls gesundheitlich schwer angeschlagen ist. Mehrere Hüftoperationen und ein Rückenleiden machen auch ihr schwer zu schaffen. „Außerdem leidet sie an Demenz“, sagt Werner Naecker. Oft müsse er noch mal zum Einkauf, wenn sie Falsches eingekauft oder etwas vergessen habe.
Damit die Eltern wenigstens kurze Wege haben, hatte der Sohn der Familie 2006 eine Eigentumswohnung im Herbert-Wehner-Haus Am Schippsee 34 gekauft. Von hier aus konnte das Ehepaar relativ bequem die Geschäfte und die Arztpraxen erreichen. Doch die schöne Aussicht aus der Wohnung im sechsten Stock des Hauses wird ihnen nun zum Verhängnis. „Der Fahrstuhl ist seit zehn Tagen kaputt“, so Naecker. „Die Treppen schaffe ich kaum noch, Besorgungen kann ich gar nicht machen.“ Zwar helfe sein Sohn, wo es nur geht, doch der ist als Koch auch sehr eingespannt und hat nur wenig Zeit.
Vater und Sohn haben bereits mehrfach die Verwaltung, die von der Eigentümergemeinschaft des Hauses eingesetzte Norfu Grundstücksverwaltung mit Sitz in Hamburg, angerufen. „Doch hier passiert einfach nichts“, beschwert sich der Senior.
Die Norfu hingegen wiegelt ab: Ja, der Aufzug sei seit neun Tagen defekt. An diesem Abend habe es einen Notruf gegeben. Jemand war im Aufzug stecken geblieben und habe das Eintreffen des Notdienstes nicht abgewartet, sondern mit grober Gewalt versucht, die Türen aufzuhebeln. „Dabei wurde einiges zerstört“, so ein Mitarbeiter der Norfu. Ersatzteile mussten bestellt werden - das dauert. „Bis zum Wochenende sollte alles wieder repariert sein“, hofft man bei der Norfu.
Man könne verstehen, dass die Bewohner genervt seien, aber man habe alle mit einem Rundschreiben darüber informiert, dass der Aufzug für zwei Wochen ausfalle. Mehr habe man leider nicht tun können.
Werner Naecker fürchtet, dass es auch zukünftig immer wieder Probleme mit dem Fahrstuhl geben wird. Das Leben im sechsten Stock bietet für ihn keine Perspektive. „Wir suchen etwas Neues, vielleicht altersgerechteres“, sagt der Senior. „Vielleicht wird bei der SAGA oder im Gloria bald etwas frei.“
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