Ärger bei der Harburger Tafel

Bei der Harburger Tafel müssen manche Kunden länger warten, als andere. Foto: sl
Karl-Heinz Siefken ist sauer auf die Harburger Tafel. Jeden Dienstag geht der 70-jährige Harburger für seine schwerbehinderte Lebensgefährtin in den Helmsweg und stellt sich in die Schlange um für zwei Euro einen ganzen „Hackenporsche“ voll mit Lebensmitteln zu bekommen. „Eigentlich bin ich ganz begeistert von dieser Einrichtung“, sagt er, „aber seit ein paar Monaten spielen sich dort jede Woche Ungerechtigkeiten ab. Am Dienstag dürfen nur Rentner und Schwerbeschädigte kommen. Alle stehen sehr lange in der Schlange an. Jede Woche kommt eine Frau im Rollstuhl erst um 10.30 Uhr angefahren und bekommt sofort ihre Lebensmittel. Sie muss nicht warten.“ Außerdem, so Siefken weiter, kämen inzwischen auch noch verschiedene Pflegedienste. „Die müssen auch nicht warten, sondern bekommen auch sofort die Ware. Das ist doch nicht gerecht.“ Zudem wundert sich der Rentner darüber, dass auch die Mitarbeiter der Tafel sich kostenlos Lebensmittel mitnehmen.

Ursula Müller, Leiterin der Harburger Tafel, bestätigt die Vorwürfe, wundert sich aber über die Aufregung. „Es ist richtig, dass jeden Dienstag eine Dame im Rollstuhl kommt und sofort bedient wird“, sagt sie. „Der Rollstuhl dieser Dame ist so groß, dass sich die Kundin weder vor noch zurück bewegen könnte, wenn noch jemand anders mit im Raum wäre.“

Dass die Pflegedienste nicht warten müssten läge daran, dass „die einen Job machen“, sagt Ursula Müller. „Pflegedienst-Mitarbeiter haben ohnehin kaum genügend Zeit für ihre Patienten. Wenn die während ihrer Arbeitszeit losfahren, um für eine alte Dame im fünften Stock ein paar Lebensmittel mitzubringen, dann können die doch nicht bei uns noch eine Stunde warten.“

Am meisten ärgert sich Ursula Müller jedoch über den Vorwurf, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter sich auch selber Lebensmittel mit nach Hause nehmen. „Wir arbeiten hier alle ehrenamtlich. Ich fahre beispielsweise jede Woche mehrmals 40 Kilometer mit meinem eigenen Auto – ohne Benzingeld. Wir alle machen das freiwillig in unserer Freizeit und ohne jede Art von Bezahlung. Wenn sich unter diesen Umständen jemand eine Tüte Milch mit nach Hause nimmt, dann ist doch daran nichts verwerflich, oder?“

Info: Die Harburger Tadel sucht Hände ringend Menschen, die ehrenamtlich mithelfen wollen. „Das ist eine tolle Aufgabe, die Spaß macht und bei der man auch viele nette Menschen kennen lernt“, sagt sie. Wer Lust hat, melde sich unter Tel. 77 11 08 97.
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7 Kommentare
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Volker Krutzke aus Harburg | 30.05.2012 | 17:35  
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Henrik Friske aus Heimfeld | 31.05.2012 | 14:50  
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Nancy Haymann aus Harburg | 19.06.2012 | 10:09  
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Volker Krutzke aus Harburg | 19.06.2012 | 15:26  
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 22.03.2013 | 12:00  
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thorsten kahnt aus Harburg | 30.04.2013 | 09:10  
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thorsten kahnt aus Harburg | 30.04.2013 | 09:10  
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