60 Meter Abstand reichen

Die Preussag AG (heute GdF-SUEZ) hat 1960 in Sinstorf die Erdölförderung aufgenommen. Seit Juli 1995 wird Lagerstättenwasser eingepresst. Foto: pr

B-Plan-Entwurf Sinstorf 22: Wohnbebauung unmittelbar
neben früherer Erdölförderstätte

Die Idee scheint plausibel. Ein nicht mehr benötigtes Gewerbegelände am Sinstorfer Weg soll für Wohnungsbau genutzt werden (Bebauungsplan-Entwurf Sinstorf 22). Allerdings wird in unmittelbarer Nähe seit über 50 Jahren Erdöl gefördert. Besteht für künftige Bewohner ein Gesundheitsrisiko? „Hier werden in großem Umfang Wohnungen für Familien mit Kindern geplant, und eine mögliche Umweltbelastung wird nicht einmal in Erwägung gezogen“, beklagt Sabine Boeddinghaus (Linke). Was ist dran an den Vorwürfen? Das Wochenblatt hat nachgefragt.

Seit wann wird am Sinstorfer Weg Erdöl gefördert? Die Preussag AG (heute GdF-
SUEZ) hat in Sinstorf bei der Bohrung Groß-Hamburg 2 (GH 2) seit 1960 Erdöl gefördert.

Seit wann wird Lagerstättenwasser eingepresst? Den entsprechenden Antrag der Preussag AG hat das damalige Bergamt Celle im April 1995 genehmigt. Eine Erdölförderung findet in Groß-Hamburg 2 nicht mehr statt. Seit Juli 1995 wurden 951.187 Kubikmeter Lagerstättenwasser eingepresst. Um den Druck in der Lagerstätte zu erhalten, wird Lagerstättenwasser immer noch in den Bereich verbracht, aus dem ehemals Erdöl mit Lagerstättenwasser gefördert wurde.

Ist untersucht worden, ob im Bereich der ehemaligen Erdölförderstätte das Grundwasser und der Boden verunreinigt sind? „Für die Untersuchung des Grundwassers und der Böden im Raum Harburg ist das Bezirksamt Harburg zuständig. Ob Schadensfälle seit Inbetriebnahme der Bohrung im Jahr 1960 aufgetreten sind, kann auf die Schnelle nicht beantwortet werden. Dafür ist eine Aktenrecherche notwendig“, teilt das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mit.
Das Bezirksamt Harburg teilt mit: Grundwasseruntersuchungen spielen im Rahmen von Bebauungsplänen nur bei besonderen Fragestellungen eine Rolle. Im vorliegenden Fall gab es hierfür keine Anhaltspunkte.

Seit wann ist das LBEG am Harburger B-Plan-Verfahren beteiligt? Seit Ende August 2014.

Ist eine Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Erdölförderstätte möglich? Um Vorsorge für die Gesundheit der Anwohner vor den Auswirkungen von Schadensfällen zu treffen, und zugleich eine effektive Bekämpfung möglicher Gefahren zu ermöglichen, sollte aus Sicht des LBEG ein Abstand von 60 Metern zur Bohrung Groß Hamburg 2 nicht unterschritten werden. Im B-Plan-Entwurf Sinstorf 22 ist genau dieser Abstand festgelegt.


Was ist
Lagerstättenwasser?

Lagerstättenwasser ist ein natürlicher Bestandteil in
Erdöllagerstätten. Es besteht aus Wasser, gelösten Salzen und Kohlenwasserstoffen. Je nach Lagerstätte können auch andere Stoffe wie
Quecksilber oder natürliche schwach radioaktive Stoffe enthalten sein.Bei der Erdölgewinnung wird das Lagerstättenwasser als Flüssigkeit oder als Wasserdampf automatisch mit zu Tage gefördert und in einer Naßölaufbereitungsanlage vom Öl getrennt.
Das Einpressen von Lagerstättenwasser in eine ehemalige Erdöl- oder Erdgaslagerstätte steht nach Auskunft des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) nicht in Zusammenhang mit dem Thema
Fracking.
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2 Kommentare
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Michael Schulze aus Heimfeld | 19.12.2014 | 19:37  
6
Christian Völker aus Wilhelmsburg | 19.12.2014 | 20:14  
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