Nie mehr erste Liga

1939 spielte Rasensport Harburg gegen Victoria 2:4. Foto: archiv düse

Serie "Aus dem Harburger Fußball-Archiv": Vor über Vor 75 Jahren hatte Harburg zwei Klubs in der ersten Liga – zum letzten Mal.

Von Waldemar Düse. Die letzten Zweifel werden am 12. Juni 1938 eindrucksvoll beiseite geräumt. 3.000 Zuschauer sehen auf dem Rabenstein ein 9:0 im Aufstiegsspiel gegen Neumünster 1910. Rasensport Harburg hat seine „Reha“ nach dem „Betriebsunfall“ Abstieg der vergangenen Saison erfolgreich abgeschlossen und ist sofort wieder in die Gauliga Nordmark aufgestiegen. Gemeinsam mit Borussia hat Harburg nun wieder zwei Erstligisten.

Ein einziges Tor entscheidet über Rasensports Abstieg

Beiden Klubs bläst jedoch eine steife Brise ins Gesicht. Die Szenerie wird eindeutig vom späteren Meister Hamburger SV und dem punktgleichen Zweiten ETV dominiert. Rasensports Jurkschat, Hauenschild, Johannisson, Greifenberg, Weißenborn, Nottorf, Hellwage, Leßle, Gizzi, Kleinheinz, Griebe, Spodzeya, Täger, Paulsen oder Tegen geht in der dünnen Höhenluft die Puste aus: 1:4 und 0:5 vergeigen sie die Partien gegen die Rothosen des HSV. Auch Borussias Gehrcke, Meier, Täger , Knüppel, Stahl, Liedloff, Holländer, W. Rappmann, Penzke, P. Rappmann, Weseloh, Schwab, Jobmann, Koch oder Böhm leiden unter regelrechter Schnappatmung: 2:8 und 0:4 gegen den HSV lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.
Richtig gemein wird es am letzten Saisonspieltag: Ein einziges Tor entscheidet über den Klassenerhalt von drei Mannschaften. Dabei hätte sich zumindest Rasensport das Zittern ersparen können. Zwei Punkte aus den letzten fünf Spielen hätten gereicht. Aber die beeinNegativserie von 0:3 gegen Holstein Kiel, 1:5 gegen Altona 93, 2:4 gegen Victoria, 1:3 gegen den FC St.Pauli und 1:2 gegen Polizei Lübeck beendet die Erstligazugehörigkeit am Rabenstein. Hätte Borussia im letzten Saisonspiel nicht 2:1 bei Altona 93 verloren, wäre Borussia und nicht der AFC dringeblieben.
Aber bekanntlich wird Fußball nicht im Konjunktiv entschieden, sondern nach den damals gültigen Regeln: Bei Punktgleichheit werden die geschossene Tore durch die Gegentreffer geteilt. Rasensport kommt auf den Quotienten 0,54 und steigt ab, Altona 93 bleibt mit 0,75 in der Gauliga Nordmark. Borussia hat denselben Torquotienten wie sein Harburger Rivale, aber einen Punkt weniger und muss ebenfalls absteigen. Vor 75 Jahren endet damit für immer die gemeinsame Erstligazugehörigkeit Borussias und Rasensports. Im März 1970 schließen sich beide Vereine zum Harburger SC zusammen.
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