Nervennahrung für Schlagzahl 72

Rudern im französischen Teil des Baskenlandes: Mia Meyer berichtet aus dem zweiwöchigen Ferien-Trainingslager.

Die Kolumne von Mia Meyer.

Nach drei Tagen Trainingslager in Südfrankreich konnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als morgens ausgeschlafen im eigenen Bett aufzuwachen, den Tag mit meiner Familie bei einem leckeren Frühstück zu beginnen und mit Freunden in den Ferien all das zu tun, wofür neben der Schule kaum Zeit bleibt.
Stattdessen klingelt der Wecker jeden Morgen um fünf vor Sieben. Den Snack vor dem ersten Training lasse ich sogar ausfallen, um ein paar Minuten länger schlafen zu können. Dafür genieße ich das frische Baguette danach um so mehr. Doch kurz darauf geht es schon aufs Wasser. Und danach zum Essen und danach aufs Wasser. Tagein, tagaus. Hunderte geruderte Kilometer, tausende Minuten pro Woche.
Doch die nicht enden wollenden Rudereinheiten zu Beginn des Trainingslagers haben ein schnelles Ende gefunden, seitdem die Sonne über den umnebelten Lac de Soustons scheint. Anfangs ist das oberste Ziel, „Kilometer machen“, also so viel Strecke wie irgendwie möglich aufzuholen, um die im Wintertraining verlorene Routine im Boot wieder zurück zu gewinnen.
Es heißt ja so schön „Rudern ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht“, doch den meisten Aufwand musste ich zweifellos in beim Techniktraining betreiben. Da kam mir die Übungs-einheit heute Nachmittag gerade recht.
Bei strahlend blauem Himmel stiegen wir in unsere Einer. Start- und Schnelligkeitsübungen, die darauf vorbereiten, im Rennen eine möglichst hohe Frequenz zu fahren, standen auf dem Plan. Da wir schon zwei schweißtreibende Einheiten hinter uns hatten, überraschte uns unser Trainer Markus mit einem kleinen Wettkampf: Wer die höchste Frequenz erreichte, würde eine Tafel Schokolade gewinnen. Das war ein Motivationskick, der die letzte Kraft und Konzentration aus uns heraus kitzelte. Als hätten wir uns abgesprochen, schafften drei von vier Booten eine Schlagzahl von 72 Schlägen pro Minute und so war der Vorrat an Nervennahrung bis zur Heimreise gesichert.

Mia Meyer (17) geht in die zwölfte Klasse des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Harburg und ist Leistungssportlerin im Ruderclub Süderelbe. Was sie in ihrer Sportlerkarriere und auf dem Weg zum Abitur in diesem Jahr alles erlebt, steht in ihrer Kolumne im Wochenblatt zum Wochenende.
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