Muss der SV Wilhelmsburg nach Kirchdorf umziehen?

Die Heimat der Fußballer des SV Wilhelmsburg am Vogelhüttendeich im Herbst: Auf dem städtischen Platz sollen Wohnungen gebaut werden. Foto: Düse

Die Stadt will die Sportplätze am Vogelhüttendeich bebauen lassen und dafür Ersatz am Karl-Arnold-Ring schaffen

Von Waldemar Düse. Der SV Wilhelmsburg hat in der Fußball-Bezirksliga Süd vier turbulente Wochen hinter sich. Vier Niederlagen aus fünf Spielen haben den Kader um das Trainergespann Alexander Reckewell/Ihsan Calisgüven zuletzt reichlich durchgeschüttelt. Das 4:0 im letzten Punktspiel des Jahres beim Vorletzten Harburger SC hat Mägen und Nerven um den Vogelhüttendeich herum wieder etwas beruhigt. Um den angepeilten Aufstieg doch noch zu realisieren, sollen in der Winterpause weitere neue Spieler zum ohnehin schon weitgehend neu formierten Tabellenvierten kommen.
Doch diese Turbulenzen sind nur ein laues Lüftchen gegen das, was den größten Wilhelmsburger Sportverein erwartet, sollten die städtischen Umgestaltungspläne der Sportanlagen auf der Elbinsel Wirklichkeit werden. Zwei Plätze aus Kunst- und einer aus Naturrasen, dazu ein neues Klubhaus und einen neuen Umkleidetrakt.
Eigentlich ein Grund zum Jubeln, der Haken an der Sache lässt den Jubler aber buchstäblich im Hals stecken bleiben. Das ganze Ensemble soll nämlich nicht am Vogelhüttendeich, sondern am Karl-Arnold-Ring in Kirchdorf errichtet werden. Die städtische Anlage am Vogelhüttendeich soll von 2016 an mit Wohnungen bebaut werden.
Besonders die Fußball-Abteilung wehrt sich vehement gegen diesen verordneten Umzug. Sie befürchtet, dass die Wurzeln des Vereins aus seinem angestammten sozialen Umfeld herausgerissen und auf dem neuen „Sportzentrum Süd“ verdorren werden. Vereinshaus und Umkleidetrakt am Karl-Arnold-Ring, Spiel- und Trainingsbetrieb an der Dratelnstraße, die ebenfalls umgestaltet werden soll, fordert der Verein von der Stadt.
Kritik gibt es im Klub aber auch am eigenen Vorstand. „Die ganze Entwicklung war absehbar, aber in diesem Gremium gibt es zu wenig Kompetenz, damit rechtzeitig hätte eingegriffen werden können“, sagt ein langjähriges, verantwortliches tätiges Vereinsmitglied, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Es gibt in diesem Verein einfach zu viele Nebengeräusche, manchmal sind die Zustände geradezu katastrophal.“
Wenn nicht alles täuscht, verliert der Fusionsklub von 2003 nach der Landesgrenze auch seine zweite angestammte Heimat.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.