Kolumne: Warum immer auf den letzten Drücker?

Immer im Verzug: Wenn Mia Meyer im Boot sitzt, hat sie sich sich meistens vorher abgehetzt.

Die Kolumne von Mia Meyer

Manchmal komme ich mir schon bescheuert vor. Wenn ich aus der Haustür, am Kindergarten vorbei und am Bäckereischaufenster, hinter dem die Verkäuferin mich von der Theke aus mit verständnislosem Blick verfolgt, Richtung Bushaltestelle renne. Oder wenn ich morgens aus Zeitmangel mit offenen Schuhen auf dem Fahrrad den Berg zur Schule hochstrampele und dann die letzten Meter bis zur Klassentür einen Sprint einlegen muss, um noch pünktlich zu kommen.
Doch sobald ich auf meinem Stuhl Platz genommen habe und die Pausenglocke höre, die verheißungsvoll den Schultag einläutet, stelle ich mit Zufriedenheit fest, wieder einmal jede Sekunde erfolgreich ausgenutzt zu haben.
Wenn ich eins hasse, dann ist es das Warten. Ich finde man wartet viel zu oft im Leben. Man wartet auf den Bus, auf den Lehrer, auf den Trainer, aufs Mittag-essen und aufs nächste Taschengeld. Wozu? Warum nicht den Moment auskosten? Lieber mache ich mich dann etwas spät, optimistisch gerechnet aber zur rechten Zeit, auf den Weg, um die nervenraubende Warterei zu vermeiden. Und einen Gang zuzulegen hilft auch schon, die Zeit etwas aufzuholen. Da kommt wahrscheinlich wieder die Leistungssportlerin in mir zum Vorschein. Warum gehen, wenn es unkompliziert schneller geht, indem man nur eine kurze Flugphase zwischen den Bodenkontakt der Füße einbaut. Zwar setze ich mich so selbst unter Druck, denn ich bin keinesfalls jemand der gerne zu spät erscheint, doch die zusätzlichen Momente für mich sind es mir allemal wert. Komischerweise funktioniert mein Alltag unter Zeitdruck besser. Wenn mein Tag mit Terminen vollgestopft ist, dann schaffe ich es auch meine Disziplin nach dem Sport auf die Hausaufgaben zu übertragen. Wenn ich hingegen nach der Schule nichts mehr vor habe, fehlt mir auch jede Motivation zu zur Erweiterung meines Wissens.

Mia Meyer (17) geht in die zwölfte Klasse des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Harburg und ist Leistungssportlerin im Ruderclub Süderelbe. Was sie in ihrer Sportlerkarriere und auf dem Weg zum Abitur im nächsten Jahr alles erlebt, steht in ihrer Kolumne im Wochenblatt zum Wochenende.
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