Heute Messi, morgen Ribéry

Stolzes Teammitglied: Paul fühlt sich im Kreis seiner Fußballkameraden gut aufgehoben und ist Teil der Mannschaft. Fotos: sd
 
„Tooooor“: Niklas freut sich über seinen gelungen Torschuss und reißt jubelnd die Arme in die Luft.

Einmalig in Hamburg: In Eimsbüttel trainieren junge Fußballer mit Down-Syndrom.

Von Sabine Deh.
Alex, 16, dribbelt am Abwehrspieler vorbei. Er hat jetzt nur noch den Torwart der gegnerischen Mannschaft vor sich. Der weiße Lederball fliegt mit Wumms ins Tor. Mit seinen kräftigen Waden springt der Torschütze einen halben Meter in die Höhe und reißt den rechten Arm in Richtung Hallendecke. Seine Mitspieler umarmen ihn lange. Jeder einzelne. Auf dem Weg zur Mittellinie hüpft Alex noch mal. Seine Augen hinter den Brillengläsern sind geschlossen. Sein Mund lächelt.
Der Teenager aus Lurup kommt jeden Donnerstag zum Fußballtraining in die kleine Sporthalle von Grün-Weiss Eimsbüttel in einem Hinterhof an der Lutterothstraße. Das Besondere an dieser Mannschaft: Alex Hoppe und seine Mitspieler haben ein Handicap. Viele haben das Down-Syndrom, bei einigen wurde eine Lern- oder Wahrnehmungsschwäche diagnostiziert. Der Freude am gemeinsamen Fußballspielen tut das aber keinen Abbruch.
Vor zweieinhalb Jahren hat HSV-Profi Marcell Jansen mit der Mannschaft trainiert. „Sehr lebendig die Jungs. Ist toll mit denen“, sagte er. Neben Jansen war noch der damalige Co-Trainer Eddy Sözer mit dabei.

„Fußball ist sein Leben“, erzählt Alex’ Mutter Andrea Hoppe. Zuhause in seinem Schrank stapeln sich Trikots mit den Namen seiner Helden. Außer dem hellblau-weiß-gestreiften mit dem Lionel-Messi-Schriftzug, das er gerade trägt, hat er noch Hemden seiner Helden Cristiano Ronaldo und Mesut Özil. Auch bei seinen Lieblingsmannschaften legt Alex sich nur ungern fest. „Manchmal favorisiert er den HSV, einen Tag später schwärmt er wieder für den FC St. Pauli“, sagt Andrea Hoppe.
Einem Verein hält der junge Sportler allerdings seit Jahren die Treue. Dem SV Grün-Weiss Eimsbüttel, denn dieser bietet seit knapp sechs Jahren ein Fußballtraining für behinderte Jugendliche an.
Den Anstoß für das in Hamburg einmalige Angebot übernahm eine Elterninitiative, die mit ihrem Wunsch nach einem sportlichen Angebot für ihre behinderten Kinder einzig bei dem Eimsbüttler Verein auf offene Ohren stieß. In der Zwischenzeit trainieren Joel Brüllke Marti und seine Kollegin Neelke Oltmanns nicht nur Teenager im Alter von zwölf bis 16 Jahren, sondern außerdem eine Gruppe mit Fußballern im Alter von neun bis zwölf Jahren.
Auch Tanja zeigt beim Fußballtraining was in ihr steckt. Gemeinsam mit Alex und Manuel, der genau wie sie in einer betreuten Wohngruppe lebt, bildet die 14-Jährige eine Fahrgemeinschaft mit Mutter Hoppe am Steuer. Auf dem Spielfeld ist die Kickerin mit dem blonden Pferdeschwanz kaum zu bremsen und lässt sich auch von älteren oder größeren Mitspielern nicht unterbuttern. Bereits beim Aufwärmen ist sie ganz vorn dabei. „Jetzt durchqueren wir seitlich die Halle“, dirigiert Trainer Joel energisch. Dann müssen die Spieler bei jedem Schritt ihre Füße ganz weit in Richtung Po ziehen. Anschließend werden die Bälle um einen Slalom-Parcour aus roten Plastikhütchen gespielt. Das macht ihr klasse“, lobt Co-Trainerin Neelke, die außerhalb des Spielfelds als Erzieherin arbeitet. Manche Regeln müssen die Trainer ihren Schützlingen mehrmals erklären, bevor sie diese verinnerlichen. Inzwischen sei aber kein Spieler mehr verwirrt, wenn sich das anzuspielende Tor nach der Halbzeit auf der anderen Seite der Halle befindet. Natürlich wollen auch diese Fußballer unbedingt ein Tor schießen. Als Mittelfeldspieler David beim Zweikampf ins Straucheln gerät und fällt, wird er aber sofort von Mitspielern umringt die ihm sportlich fair auf die Füße helfen, während der Ball ins Aus kullert.
Biologiestudent Joel Brüllke Marti trainiert ehrenamtlich verschiedene Mannschaften in Hamburg. Der Unterschied zwischen den Fußballern mit und ohne Handicap sei gar nicht so groß, findet er. „Gewinnen wollen sie alle“, lacht der 29-Jährige. Er ist stolz darauf, dass seine Eimsbüttler Mannschaften sich in der Zwischenzeit als echte
Teams begreifen. „Meinem Alex tut das Training richtig gut“, freut sich Andrea Hoppe. Nach dem Sport sei ihr Junge richtig ausgepowert und glücklich. Anfang November treten Alex, Tanja, Manuel, Lena und ihre Mitspieler in einem Pokal-Turnier gegen andere Mannschaften mit Handicap an. Vertreten sind
Teams aus Förderschulen, Behindertenwerkstätten und eben die Mädels und Jungs aus Eimsbüttel. „Wir werden ganz bestimmt gewinnen“, glaubt Alex Hoppe. Zur Feier des Tages will er dann sein Franck-Ribéry-Trikot anziehen. Denn das habe ihm bisher schließlich immer Glück gebracht.
Kontakt und weitere Infos gibt es beim Sportverein Grün-Weiss Eimsbüttel unter Tel. 560 12 45.
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