Heimfeld ist Shogi-Hochburg

Caner Kurt (r.) gratuliert Nanami Hirama zum knappen Sieg in der Shogi-Einzelwertung. Foto: Jumpei Tainaka

Schule Grumbrechtstraße forderte Japanische Schule

Von René Gralla. Dicht umlagert ist der Tisch. Tack-tack-tack, gibt eine Uhr das Tempo vor, und klack, klack, klack werden Holzplättchen über ein helles Brett geschoben. Eben noch füllte Stimmengewirr den Klassenraum, aber jetzt ist es atemlos still, alle halten den Atem an. Tie-Break in Heimfeld: Der Shogi-Wettkampf zwischen der Grundschule Grumbrechtstraße gegen die Japanische Schule Hals- tenbek geht in die entscheidende Phase.

Das Spiel ist eine spezielle Schachversion, die im Kaiserreich des Tenno vor gut 1.000 Jahren entstanden ist. Die zwölfjährige Nanami Hirama behält trotz knapper Zeit die Übersicht, macht Druck, während ihr Gegner, der 11-jährige Caner Kurt, immer wieder zögert. Das kostet wertvolle Sekunden, und schon ist es aus, Caner Kurt überschreitet das zulässige Fünf-Minuten-Limit, Nanami Hirama reißt jubelnd die Arme hoch.

Die Premiere des ungewöhnlichen Vergleichskampfes, den der Hamburger Schachlehrer Jürgen Woscidlo angeregt hatte, ging Mitte November 2013 in der Japanischen Schule über die Bühne. Und damals erwiesen sich die Heimfelder Kids als überraschend stark, gewannen nach der Team- und Individualwertung.

Damit hatten die Japaner nicht gerechnet, schließlich unterscheidet sich Shogi deutlich vom üblichen Schach: Auf dem Brett, das 81 einheitlich kolorierte Felder aufweist, stehen keine Figuren, sondern liegen fünfeckige Steine, die Kanji-Symbolzeichen tragen und exotisches Personal samt poetisch klingender Gerätschaften repräsentieren, zum Beispiel Juwelengeneral oder Wohlriechender Streitwagen. Der Clou beim Shogi: Material, das sich die Gegner im Laufe des Gefechts wechselseitig abknöpfen, darf anschließend zur Verstärkung der eigenen Leute wieder eingesetzt werden.

Beim Wettkampf, der Ende 2014 stattfand, gewannen die Schüler der Grumbrechtstraße die Mannschaftswerung, Einzelsiegerin wurde Hirama.

Mindestens genau so wichtig wie das sportliche Ergebnis ist allerdings die Tatsache, dass „junge Japaner und Deutsche beim Schach die Kultur der jeweils anderen Seite kennenlernen“, betont Rainer Kühlke, Leiter der Schule Grumbrechtstraße, in der Schlussansprache. Und sein japanischer Kollege Koichi Kanai, den zuvor selber das Shogi-Fieber packte, in den Wettkampfpausen zockte er mehrere Partien gegen Schüler, sekundiert, dass er sich niemals hätte vorstellen können, „nach Deutschland zu kommen und ausgerechnet hier Shogi zu spielen“.

Shogi

Ergebnisse Einzelwertung:
1. Nanami Hirama, Halstenbek, 2. Caner Kurt, Grumbrechtstraße, Platz 3: Konrad Leo Adler, Grumbrechtstraße

Ergebnisse Mannschaftswertung: Schule Grumbrechtstraße – Japanische Schule
Halstenbek 16:11 Punkte
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