Hamburger Sieg dank Wilke aus Wilhelmsburg

Die historischen Sieger von 1961: Bähre (von links), Schröder, Warszta, Neudorf, Schmidt, Brauer, Usko, Sonnemann, Lewandowski, Krakow, Winter. Foto: der sport

Sensationeller Erfolg 1961 beim Amateur-Länderpokal mit vier Spielern aus dem Süden.

Von Waldemar Düse. Diese Geschichte ist nicht frei erfunden. Ähnlichkeiten mit noch bestehenden Vereinen oder noch lebenden Personen sind kein Zufall. Der amtierende Deutsche Meister heißt Hamburger Sport-Verein, die NFV-Auswahl hat gerade den DFB-Jugendpokal gewonnen.
Wir schreiben den 29. April 1961. Die altehrwürdige Holztribüne des Stadions Hoheluft ächzt unter der Last ihres prominenten Besuchs: Bundestrainer Sepp Herberger, sein damaliger Co-Trainer Helmut Schön und viele Oberliga-Trainer haben dort Platz genommen. Gemeinsam mit 7.000 Zuschauern werden sie Zeuge eines historischen Ereignisses.
Seit 1951 gibt es den Amateur-Länderpokal, ein Wettbewerb der Auswahlmannschaften der DFB-Landesverbände, an denen keine Vertragsspieler, Vorläufer der heutigen Berufsfußballer, teilnehmen dürfen. 1959 hat die HFV-Auswahl den Wettbewerb erstmals gewonnen, ohne die Oberligakicker des HSV, St. Paulis, von Altona 93, Concordia, BU und Bergedorf 85.
Man glaubt es kaum, aber HFV-Trainer Martin Wilke schickt eine Mannschaft auf den Rasen, in der der Süden eindeutig den Ton angibt: Krakow (SC Victoria) – Schröder (SC Victoria), Usko (HTB) – Brauer (SC Victoria), Winter (SC Victoria), Lewandowski (HTB) – Schmidt (Paloma), Bähre (HSV), Sonnemann (Sperber), Neudorf (HTB) und Winfried Warszta (Wilhelmsburg 09).
Und Wilke hat – wo steht das Phrasenschwein? – ein glückliches Händchen. Das Wilhelmsburger Mittelstürmer-Talent wird zur großen Entdeckung des Endspiels gegen Schleswig-Holstein.
Allerdings ist das Niveau eher dürftig, der Bundestrainer kann sein berühmtes Notizbuch stecken lassen. Erst nach dem Seitenwechsel kommt so etwas wie Spannung auf. In der 53. Minute bringt Warszta die HFV-Auswahl mit 1:0 in Führung, die Sonnemann nach einer Kopfballvorlage des Wilhelmsburgers in der 55. Minute auf 2:0 ausbaut. Der Treffer zum 2:1-Endstand (65.) blieb das einzige Lebenszeichen Schleswig-Holsteins. Hamburg hat diesen Wettbewerb zum letzten Mal gewonnen.
Der Amateur-Länderpokal ist längst Geschichte. Und über die Rolle der hamburgischen Profivereine und die Bedeutung des Südens in Hamburgs Amateurfußball decken wir lieber den wärmenden Mantel des Schweigens.

Amateur-Länderpokal

Der Deutsche Fußball-Bund
besteht aus verschiedenen Landesverbänden. Seit 1950/51 heißt der Wettbewerb der verschiedenen Verbände „Amateur-Länderpokal". Das Interesse am
Herren-Wettbewerb ließ seit Einführung der Bundesliga 1963 nach. Seit 1996/97 gibt es den Länderpokal nur noch für U 19-Mannschaften, seit 2001/02 für U 20-Mannschaften.
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