Friedo Dörfel: Meistertrainer in Wilstorf

Rönneburgs Meistermannschaft von 1953: (o.v.l.) Karl-Heinz Menk, Kaping, Maass, Comdühr, Wrzeszcz, Pahl, Meyer, Rödszus, Henke. (u.v.l.) Marquardt, Föllmer, Kulczynski. Foto: SV Rönneburg

Aus dem Harburger Fußballarchiv: Die Geschichte des SV Rönneburg, dessen Wurzeln in der Arbeitersportbewegung lagen.

Von Waldemar Düse. Es heißt, das am 29. April 1945 das letzte Fußballspiel während des Zweiten Weltkriegs stattfand: Nur vier Tage vor der Besetzung Hamburgs durch britische Truppen schlägt der HSV in einem Freundschaftsspiel Altona 93 mit 4:2. In der Chronik des SV Rönneburg wird allerdings davon berichtet, dass noch im Mai „Ligamannschaft und Reservemannschaft einige Male“ zu Spielen antreten, „unterstützt von Urlaubern und Jugendlichen.“
Nach dem offiziellen Kriegsende am 8. Mai beginnt für die Bevölkerung der Kampf ums Überleben. Dennoch bleibt Zeit für andere, offensichtlich ebenso wichtige Dinge. Schon am 16. Juli stehen sich der HSV und Altona 93 am Rothenbaum erneut zu einem Freundschaftsspiel (2:0) gegenüber. Ebenfalls im Juli treibt auch in Rönneburg der Spieltrieb wieder seine ersten Knospen aus. Gekickt wird erneut in der „Steinschlucht“, weil die „Wilstorfer Höh“ des SV Roland in ein Kleingartengelände umgewandelt worden ist. Der Hunger ist ein auch vom Fußball unbezwingbarer Gegner.
Anfang September 1945 wird die Kriegsspielgemeinschaft des ehemaligen Arbeitersportvereins SV Rönneburg mit dem bürgerlichen SV Roland wieder aufgelöst. Als Spätfolge der Zerschlagung der Arbeiterbewegung durch die Nazis wird auch die Arbeitsportbewegung nicht dauerhaft wiederbelebt.
Wiederbelebt wird dagegen der SV Rönneburg. Zwar hat die Bahn den Pachtvertrag für die Kampfbahn Rönneburg 1947 gekündigt, aber es wird noch bis zum 21. Oktober 1951 dauern, ehe die Wilstorfer Höh wieder als Sportplatz eingeweiht werden kann. 2.000 (!) Zuschauer sehen einen 3:1-Erfolg des FC Normannia beim SV Rönneburg. Typisch für die späten 1940er- und 1950er-Jahre, in denen sich die Zuschauerzahlen zwischen den hohen und niedrigen Ligen häufig kaum unterscheiden. Harburger Platzhirsch ist 1953 Oberligist HTB, hinter dem Zweitligisten Rasensport rangieren die Drittligisten Borussia, Viktoria und Normannia. Im Sommer gelingt den Rönneburger unter Trainer Friedo Dörfel der Aufstieg in die dritte Liga. Der ehemalige Nationalspieler und Vater von Bernd und Charly Dörfel trainiert gleichzeitig den Oberligisten VfB Lübeck. Früher ist nicht alles besser gewesen, aber vieles anders.
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