„Einer der besten Plätze“ im Kaiserreich

Borussia Harburg lockte viel Publikum auf den neuen Posthof, nachdem der Platz 1910 eingeweiht worden war. Foto: archiv düse

Am Posthof und Alten Postweg schlug das Herz des Harburger Fußballs

W. Düse, Hamburg Süd
Die Fußball-Zeitrechnung am Posthof beginnt am 15. Oktober 1910. An diesem Tag pachtet Borussia das Gelände, auf dem später das ehemalige „Stresemann-Realgymnasium“ (1929) und seit 1968 „Friedrich-Ebert-Gymnasium“ steht. 3.000 Mark und monatelange Eigenarbeit verwandeln die ehemalige Eisbahn in „einen der besten Plätze im Lande“, wie die damalige Fachpresse lobt. Die Anlage erhält den Namen „Posthof“, benannt nach einer gegenüber liegenden Kneipe. Der Posthof erwirbt sich schnell einen berüchtigten Ruf als „Stolperstrecke“. Aber nicht, weil er eine der gefürchteten, holprigen „Meniskuswiesen“ ist, sondern weil Borussia dort eine beachtliche Heimstärke entwickelt. Zwischen 1915 und 1920 wird die Mannschaft fünfmal hintereinander Meister von Nordhannover, 1917 sogar norddeutscher Titelträger.

„Hühnerauslauf“ auf dem Schulgelände

In der Spielzeit 1921/22 gastiert der FC Normannia für ein Fußballjahr auf dem Posthof. Nach dem Aufstieg der Schwarz-Gelben reicht dem Norddeutschen Fußball-Verband die Sandwüste Normannias an der Rennkoppel nicht für Hamburgs höchste Spielklasse.
Die 1929 auf dem ehemaligen Sportplatzgelände „Posthof“ errichtete Schule verfügt auch über einen Platz, der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs für Turnen und Gymnastik genutzt wird. Die Schulleitung stimmt nach Gesprächen mit Mitgliedern des FC Normannia deren Ansinnen zu, dieses Gelände für den Fußball-Spielbetrieb herzurichten. Die Fußball-Zeitrechnung am Alten Postweg hat begonnen. Aufgrund seiner geringen Größe bekommt der Platz schnell den inoffiziellen Namen „Hühnerauslauf“. 1953 findet auch der Bostelbeker SV dort eine neue Spielstätte.
In den folgenden Jahren entwickelt sich der Alte Postweg zu einem gefürchteten Geläuf. Rote Asche, entweder hart wie eine Betonpiste oder matschig wie ein Moor; die Spieler in Griffweite der Zuschauer; die legendäre Meckerecke an der vorderen Schulseite; auf dem Platz regiert gesunde Härte – am Alten Postweg schlägt das Herz des Fußballs in Harburg noch für Jahrzehnte.
Doch das hat mit ständig zunehmenden Herzrhythmusstörungen zu kämpfen. Der FC Normannia 2007 aufgelöst, der Bostelbeker SV in der Kreisklasse verschwunden, die Vereinigung Tunesien immerhin Kreisliga. Der 2013 zur vorzeigbaren Kunstrasenanlage umgebaute Alte Postweg ist zu einem Ort der Wehmut geworden.
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