Eine „Hobbywerferin“ träumt von Olympia

Janina Lange und Rolf Danneberg bei den Deutschen Meisterschaften 2016. Der Olympiasieger von 1984 trainiert heute die 18-jährige.
 
Janina Lange in einer Kindertagesstätte in Kapstadt. Die Sportlerin verbrachte zwei Monate in Afrika, um sich sozial zu engagieren.

Leichtathletin Janina Lange möchte nach Abitur und Auslandsaufenthalt studieren – und trainiert nun mit Rolf Danneberg

Von Merle Schüning. Eine feste Uhrzeit hatten wir nicht abgemacht. Ich sagte ihr nur, ab wann ich in der Redaktion sei. Und schaffte es an diesem frühen Morgen gerade noch meinen Kaffee auszutrinken, bevor Janina Lange zum Gespräch erschien. Die Leichtathletin nimmt lächelnd auf der Couch Platz und erzählt mit strahlenden Augen von ihren Erlebnissen im letzten Jahr. Nach dem Abistress, Wettkämpfen, Auslandsaufenthalt und weiteren Wettkämpfen, doch man hat das Gefühl, Stress kenne sie nicht. Sie wirkt ausgeglichen, bodenständig und wie eine ganz normale 18-Jährige. Kein falscher Stolz, dabei könnte sie mit ihren Erfolgen richtig angeben.
„In Südafrika habe ich viel erlebt“, fängt sie an über ihren Auslandsaufenthalt in einer Kita in Kapstad zu erzählen. Wie so viele Jugendliche nach dem Abitur, hat auch Janina Lange sich auf einen anderen Kontinent getraut. Sie zeigt mir Fotos von den Kindern und betont, dass sie sich einen Beruf im sozialen Bereich sehr gut vorstellen könnte. Und das Training? Sie habe immer wieder versucht, auch am anderen Ende der Welt zu trainieren, die Temperaturen haben es ihr jedoch nicht so leicht gemacht. Schwierig sei das Training auch in Asien gewesen, wo sie mit zwei weiteren Begleitern umher reiste. Die Beiden hatte sie über eine Reisepartnerbörse kennen gelernt. Offenheit zählt zu Janinas Stärken, wie sich auch im Gespräch bestätigte.

Bodenständig, ausgeglichen und zielstrebig


Nach ihrer Pause hatte Janina einige Probleme mit ihrer Ausdauer. Um Topleistungen im Siebenkampf zu erreichen wäre eine längere Vorbereitung nötig gewesen. Aus diesem Grund trat Janina zunächst mit ihrer stärksten Einzeldisziplin an. Im Diskuswurf belegte sie bei den norddeutschen Meisterschaften prompt Platz zwei der U 20. Für Platz eins fehlte ihr ein Zentimeter, erzählt sie mir lachend, als ich ihr zu diesem hervorragenden Ergebnis gratuliere. Sie nimmt es mit Humor.

Rolf Danneberg, Olympia und die großen Ziele

Mitstreiter necken Janina heute mit dem Begriff „Hobbywerferin“. Sie erzielte nach kurzer Trainingszeit Top-Ergebnisse und hat damit Werfer abgehängt, die schon seit mehreren Jahren die richtige Technik trainieren.
Sport ist eben ihre Leidenschaft. Als Kind hat sie ein Jahr lang das Rudern ausprobiert. Nur zum Spaß. Sie nahm sogar an Deutschen Meisterschaften teil. Und auch in der Profiloberstufe meisterte Janina verschiedene Sportarten, legte ihre Abiturprüfung in Sport ab. In Leichtathletik und Fitness. „Nur das Turnen hat mir nicht sonderlich viel Spaß gemacht. Ich hatte Riesenrespekt vor dem Schwebebalken“, erinnert sie sich.
Inzwischen trainiert Janina mit Olympiasieger Rolf Danneberg in einer Trainingsgruppe mit dessen Sohn Sebastian. Für den Diskus-Erfolg hat sie sich hohe Ziele gesetzt. Unter die Top drei der Frauen in Deutschland möchte sie es schaffen. Mit dem gerade erreichten Platz sechs der Deutschen U20 Meisterschaften scheint das Ziel gar nicht so weit entfernt zu sein. Für den Mehrkampf wünscht sie sich Platz acht, das Ziel sieht sie jedoch selbst als schwierig an.
Und Olympia? „Olympia ist schon ein Traum“, antwortet Janina auf die Frage, die kommen musste. Sie scheint realistisch zu denken. Ein Schritt nach dem anderen. Jetzt kommt erst einmal das Studium ab Oktober.
Janina hat sich in mehreren norddeutschen Städten für ein Physiotherapiestudium und in Hamburg zusätzlich für ein Medizinstudium beworben. Sie hofft in Hamburg bleiben zu können. Ihre Trainingsgruppe ist ihr sehr ans Herz gewachsen und sie sieht ein, dass Pendeln auf Dauer zu anstrengend wäre.
Ihr Studium und den Leistungssport unter einen Hut zu bekommen, sieht sie nicht als Problem. In der Schulzeit sei das ja schließlich auch gegangen. Morgens würde sie zur Uni gehen und abends für zwei Stunden zum Sport. Fünf bis sieben Mal die Woche, so wie an Schultagen auch. Klar, man müsse sich zu manchen Zeiten zusammenreißen aber das ist für Janina kein Problem.
Als sie die Redaktion verlässt, erzählt sie, dass sie wahrscheinlich gleich auf die Jahnkampfbahn im Stadtpark trainieren geht. Heute Abend sei sie nämlich schon fürs Kino verabredet. So wie sie es sagt, klingt es nach einem anstehenden Einkaufsbummel und nicht nach zwei Stunden anspruchsvollem Leis-tungssport.
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