Ein Held vom Mopsberg

Trainer Rudolf Greifenberg (stehend rechts mit Hut) und der SC Vineta auf der Sternschanze. Foto: Archiv Düse

Harburgs Fußballlegende Rudolf Greifenberg.

Von Waldemar Düse.
Ganze 20 Minuten zu spät zum vereinbarten Interviewtermin zu erscheinen, das war frech. „Soll ich ihn noch reinlassen“, fragte der kleine, trotz seiner fast 90 Lebensjahre noch drahtige und wache Mann daraufhin betont laut und vernehmlich nach hinten in seine Wohnung. „Ach Rudi, jetzt sei nicht so. Der junge Mann hat das bestimmt nicht mit Absicht gemacht“, antwortete seine Lebensgefährtin mit dem Tablett mit Kaffee und Kuchen in den Händen.
Rudolf Greifenberg hatte seine Prinzipien, machte aber dennoch nach kurzem Zögern und einem letzten, durchdringenden Blick auf den „jungen Mann“, der immerhin halb so alt wie er selbst war, den Weg in seine Wohnung in Hamm frei. In der guten Stube war alles schnell vergessen. Dort warteten Kartons mit den gesammelten Erinnerungen und ein lebendes Nachschlagewerk über den Fußball.
Der am 14. August 1912 in Harburg geborene und aufgewachsene Spross eines Theaterschauspielers erlernte das Kicken beim Arbeitersportverein Blau Weiß und in der legendären Straßenfußballmannschaft am „Mopsberg“. Dort freundete er sich Ende der 1920er Jahre mit Rudi Noack an, für einige Experten immer noch der beste hamburgische Fußballer aller Zeiten. Nach weiteren Stationen beim SV Harburg und dem damaligen Erstligisten Rasensport folgte der technisch beschlagene Außenläufer Rudi Noack 1936 zum HSV. Keine leichte Zeit für die Beiden. „Wir galten als Individualisten und links“, so Greifenberg. „Wenn uns die SA in Harburg marschierend entgegen kam, haben wir demonstrativ die Straßenseite gewechselt.“ Eine nicht ganz ungefährliche Geste gegenüber den braunen Machthabern.
1938 kehrte Greifenberg zunächst nach Harburg zurück, schnürte dann seine Stiefel für Borussia und spielte auch für Werder Bremen. Mit einer Kriegsverletzung, die ihn zwei Finger seiner linken Hand kostete, erlebte er das Ende des Zweiten Weltkriegs in einem Lazarett in Hamburg. Bis 1945 spielte er erneut beim HSV, danach bei Altona 93 und dem Wandsbeker FC.
Auch als Trainer hielt es Greifenberg nie lange an einem Ort, einige Stationen fielen ihm aber noch ein: Der 1. FC Bayreuth, Jeunesse Esch in Luxemburg oder Wilhelmsburg 09. „Sie haben in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre auch mal den SC Vineta trainiert“, traute sich der „junge Mann“ einzuwerfen. An seine Zeit bei einem der beiden Fusionsklubs des heutigen SC Sternschanze konnte sich Greifenberg aber nicht mehr erinnern. Die Harburger Fußball-Legende starb am 18. Dezember 2007.
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