Der Weg ist das Ziel

Beim Alsterlauf der Ruderer: Mia Meyer (1. v. li.) liegt beim Start schon vorne.

Die Kolumne von Mia Meyer.

"100 Minuten individuell“ standen auf dem Trainingsplan. Das bedeutete, dass ich mir eine Ausgleichsportart aussuchen durfte. Ich beschloss, in der ersten Stunde laufen zu gehen, wobei mir meine Neugier ein paar Steine in den Weg legte.
Meine Standardlaufrunde startete ich vom Ruderclub Süderelbe aus elbaufwärts. Doch nachdem die Autobahnbrücke überquert war, wurde es mir zu langweilig, wie gewohnt weiterzulaufen. Ich schlug den Weg Richtung Moorwerder ein. Weil der Deich aber keine Überraschungen hat und er genauso aussah, wie auf der anderen Seite der Süderelbe, nur spiegelverkehrt, bog ich nach links ab und lief durch Kirchdorf. So ging es immer weiter. Ich lief den Weg, der am wenigsten gewohnt für mich wirkte und kam schließlich wieder am Deich an. War ich etwa im Kreis gelaufen? Ein Blick auf die andere Seite brachte Klarheit: Ich hatte die Elbinsel überquert. Vor mir lag die Norderelbe, auf der Eisschollen schwammen.
Eine Stunde war vergangen und ich versuchte, ohne den Rückweg zu kennen, meinem Orientierungssinn zu folgen. Die Reise durch Wohngebiete und Baulandschaften, über Brücken und Felder führte mich durch das Herz Wilhelmsburgs und ich erreichte nach exakt 100 Minuten wieder unser Bootshaus. Zwar waren meine Beine nach fast 20 gelaufenen Kilometern nicht mehr die fittesten, doch es war ein gelungenes Wettkampftraining für den folgenden Tag. Da ging ich beim Alsterlauf der Ruderer an den Start. Das „Geländetraining“ abseits der Straßen in Wilhelmsburg bereitete mich gut auf den Slalomlauf durch die Menschenmasse des Alstervergnügens vor. Die Zeit im Ziel war zwar nicht gut, aber ich konnte mir den Sieg sichern.
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