„Das gehört nicht zum Anstand“

Rasensports Keeper Paulsen (links) muss diesen Braunschweiger Schuss zum 0:1 passieren lassen. Foto: Sammlung Düse.

1936/37: Rasensport Harburg steigt ab – Schmährufe gegen Gegner.

Zumindest der Schatzmeister wird sich vorbehaltlos gefreut haben. Nur noch diese Spielzeit 1936/37, dann ist es vorbei mit den immensen Reisekosten nach Bremen, Hannover, Braunschweig, Peine und Göttingen (!) . . . und Algermissen. Das Kaff im Landkreis Hildesheim soll ja nicht unterschlagen werden.
Im Sommer des Jahres 1937 wird Harburg mit dem „Groß-Hamburg-Gesetz“ Hamburg zugeschlagen sein. Dann geht es für Rasensport stattdessen „nur“ noch nach Kiel und Lübeck. Die restlichen Klubs der Gauliga Nordmark werden in Hamburg mit den „Elektrischen“ angefahren werden können. Aber erstmal muss das mit dem Kapitel „Niedersachsen“ abschließende Gauliga-Gastspiel erfolgreich beendet werden.
Für Rasensport Harburg beginnt die Saison mit einem krassen Fehlstart, der schon nichts Gutes ahnen lässt: Die ersten drei Partien gehen alle verloren. Dann gastiert Eintracht Braunschweig, der Dritte der abgelaufenen Saison, auf dem Rabenstein. Rasensport bietet Paulsen – Hauenschild, Heyder – Suter, Leßle, Johannisson – Hellwage, Griebe, Kleinheinz, Thegen und Mtol auf.
Die Blau-Gelben untermauern ihre Favoritenstellung mit der Führung nach einer knappen Viertelstunde. Begleitet von unerfreulichen Begleiterscheinungen auf den Stehtraversen. „Überhaupt die Zuschauer, sie waren diesmal ein Kapitel für sich und zwar ein unerfreuliches . . . Erfolge des Gegners mit Protesten begleiten und Misserfolge durch Schmährufe belegen, das gehört wirklich nicht zum Anstand“, moniert die „Fußball-Woche“.
Die Stimmung bessert sich bald, weil zunächst Thegen kurz vor der Pause ausgleicht und Griebe kurz danach das 2:1 erzielt. „Im Großen und Ganzen würzte Rasensport das Spiel mit gutem körperlichen Einsatz, der leider nach dem Wechsel weit über den Rahmen des Erträglichen hinausging“, beobachtet das Fachblatt missmutig. Auf dem zertrampelten Rasen erhitzen sich die Gemüter weiter: Zunächst fliegt Braunschweigs Mittelfeldspieler Sacha vom Platz, kurz vor Schluss Rasensports Hellwage. Erst Griebes zweiter Treffer zum 3:1-Endstand kühlt alle wieder auf normale Betriebstemperatur.
Genützt hat Rasensport der erste Saisonsieg nicht viel. Am Ende müssen die Harburger aufgrund des schlechteren Torverhältnisses (33:42) gegenüber dem punktgleichen Wilhelmsburg 09 (16:20, 33:37) als Vorletzter absteigen.
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