Das Fußballfest des Südens

Im Jahre 2000 jubelten die Spieler des TV Meckelfeld nach ihrem Finalsieg gegen den BSV Buxtehude vor den Kabineneingängen am Sportplatz Alter Postweg. Das Turnier hieß damals offiziell Harburg-Pokal um den Astra-Cup. Die Brauerei war zwischen 1994 und 2002 Sponsor. Foto: Greulich
 
Das Plakat zum 50. Harburg-Pokal mit allen Spielpaarungen.
 
Der Spielausschuss im Jahre 2009: (v.li) Lutz Martini, Siggi Sendrowski, Matthias Nehls, Andreas Meyer, Olaf Müller, Ingo Brussolo, Fiete Suhr und Peter Schulz. Für Martini ist mittlerweile Matthias Schulz an Bord.

Seit 50 Jahren gibt es den Harburg-Pokal – eine liebevolle Bestandsaufnahme.

Von Waldemar Düse. Egal, wo man hinhört, man hört zuerst jede Menge „Wenns und Abers“. Die Vereinsmeierei ist nicht auszuhalten, die Saisonvorbereitung stört er sowieso oder ist nur ein Teil von ihr, der Austragungsmodus muss in jedem Fall anders werden, die Spielorte sind unfassbar schlecht gewählt und so weiter. Der Harburg-Pokal scheint irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein.

Und. Wo ist das Problem? Solange der traditionsreichste, inoffizielle hamburgische Pokal-Wettbewerb nicht den weitaus überwiegenden Teil des Fußball-Südens gleichgültig lässt, ist er unverzichtbar. Seit nunmehr 50 Jahren, allein diese Zahl spricht für sich. Und kleinlich wollen wir jetzt auch nicht sein, schließlich sind wir keine Erbsenzähler. Abzüglich der Jahre, in denen er nicht ausgespielt wurde, findet 2014 „erst“ die 45. Auflage statt.

Entstanden ist er aus Betroffenheit. Anfang der 1960er-Jahre hatte der ehemalige HTB-Ligaspieler und spätere „Morgenpost“-Sportchef Hannes Petrich regelmäßige gemeinsame Gesprächsrunden der Harburger und Wilhelmsburger Vereine angestoßen. Auf ihnen sollten Probleme erörtert und gelöst werden. Als Petrich am 30. November 1964 überraschend starb, wurde ihm zu Ehren der „Hannes-Petrich-Pokal“ ins Leben gerufen. Der Anfang des Harburg-Pokals war gemacht, ein Ende ist nicht abzusehen.

Eine Reise durch die Pokal-Geschichte ist auch eine Reise durch die Fußballgeschichte des Südens. So ist die Liste der Sieger in Teilen auch eine der Veränderung und Vergänglichkeit: Borussia und Rasensport, Viktoria Wilhelmsburg/Veddel und der FC Normannia, die HNT oder die FSV Harburg, der TV Jahn und der WSV 93, der SV Rönneburg, Rot-Gelb, der FC Ellas und Türkgücü. Mag sich jeder so seine Gedanken machen.

Auch der Austragungsmodus hat sich in stetem Fluss bewegt. In den Anfangszeiten lief der Wettbewerb über mehrere Wochen mit vielen Tagen Pause zwischendurch – heute schlicht undenkbar. Und „früher“ gab es auch eine Wilhelmsburger und eine Harburger Gruppe, deren Sieger das Finale ausgespielt haben.

Apropos Wandel: Völlig verschwunden sind die klassischen „Anhänger“ früherer Zeiten, die damals auch noch keine „Fans“ waren. Noch in den 1970er-
Jahren zogen Jugendliche mit großen Fahnen „ihrer“ Klubs über die Stehtraversen, um sie mit mehr oder weniger stimmgewaltigen Sprechchören zu unterstützen. Meistens selbstgedichtet: „Haa-Esss-Cee, eijeijeijei.“ Zuletzt noch Transparente und Trommel hochgehalten haben die „Black-Mountain-Supporters“ des HTB.

Kesselflicker am Alten Postweg


Am häufigsten den Pokal hochgehalten hat Mathias Wöllmer. Wenn es auf dem Platz einen „Mr. Harburg-Pokal“ gibt, kommt für diesen Titel nur „Matte“ in Frage: Neunmal hat er die Trophäe als Sieger bereits in die Höhe gestemmt, allein sechs Mal mit „seinem“ FC Süderelbe.

Und der Harburg-Pokal ist nur ein Teil der Saisonvorbereitung? Was haben wir gelacht! Es gibt Beispiele zuhauf, die beweisen, dass die Sache dann doch ernster war. Nicht gerade eine auf Leben und Tod, aber doch eine auf Prellung und Abschürfung. Vielleicht werden sich noch einige der damals 300 Zuschauer an ein Halbfinale Anfang der 1990er-Jahre auf dem Sportplatz Alter Postweg erinnern. Die Spieler Viktoria Wilhelmsburg-Veddels und Rot-Gelb Harburgs traten in der aufgeheizten, klassischen Postweg-Atmosphäre wie die Kesselflicker aufeinander ein und konnten auch mit Platzverweisen nicht dauerhaft entspannt werden. (Dies ist nur ein willkürlich herausgegriffenes Beispiel, ganz dem lückenhaften Gedächtnis des Autors geschuldet).


Die FSV siegte bei den Frauen

Erwähnt werden muss in jedem Fall das Jahr 1984. Mit einiger Verspätung schlug der Spielausschuss kulturrevolutionäre Pflöcke ein, aber im Gegensatz zu vielen anderen schlug er: Erstmals wurde ein Frauen-
Harburg-Pokal ausgespielt. Im Finale, auf der Jahnhöhe als Vorspiel des Endspiels der Männer ausgetragen, füllte die FSV eine weitere Seite der hamburgischen Frauenfußball-Geschichte. Hamburgs Serienmeisterinnen der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre setzten sich gegen den Bostelbeker SV mit 3:0 durch. So gesehen, hat der Harburg-
Pokal eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit bewiesen. Nicht die schlechteste Voraussetzung, um auch in kommenden Jahrzehnten die Gemüter des Fußball-Südens zu bewegen.

Interview:„Alle sind schlauer, keiner hilft!“

Seit 1951 treibt sich der beim Bostelbeker SV groß gewordene Siggi Sendrowski als Spieler oder Trainer auf Harburgs Sportplätzen herum. Seit acht Jahren arbeitet er im Spielausschuss mit.

EWO: Was fällt dir spontan zum Thema Harburg-Pokal ein?
Siggi Sendrowski: Egal ob mit Borussia, dem HTB, Buchholz 08 oder Bostelbek, den Harburg-Pokal habe ich nie gewonnen. Ich habe noch nicht einmal in einem Finale gestanden.

Du bist in einem Alter in den Spielausschuss gekommen, in dem sich andere aus ihm verabschieden.
Stimmt. Ich bin vor acht Jahren angesprochen worden, ob ich helfen möchte. Ich unterstütze andere, die machen wesentlich mehr als ich. Ich habe Sponsoren besorgt und helfe ansonsten, wo ich kann. Wir sind jetzt im Gegensatz zu früher eine Gruppe von gestandenen Fußballern.

Die Arbeit im Spielausschuss gilt als nicht gerade einfach.
Auch das stimmt. Ich verkürze das mal unzulässigerweise: Alle sind schlauer, aber keiner hilft.

Der langjährige Spielausschuss Vorsitzende Günter Falk hat gerade heftige Kritik geübt: An abgelegenen Spielstätten wie dem Neuländer Hauptdeich oder daran, dass das Finale nicht auf dem neuen Kunstrasen am Postweg ausgetragen wird. Hat er recht?
Teilweise mag die Kritik ja richtig sein. Aber für den Postweg haben wir erst vor kurzer Zeit eine Spielgenehmigung von Seiten des Bezirksamts bekommen. Und bestimmte Dinge müssen gerade für ein Finale ja langfristig geplant werden.

Und wie beurteilst du seinen Entschluss, sowohl dem Turnier als auch dem Festakt am Freitag, 27.Juni, fernzubleiben?
Günter ist alt genug, dass kann er selbst entscheiden. Ich hätte mich anders entschieden. Interview Düse
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