Blutgrätschen auf sumpfigem Rasen

War einige Jahre Trainer bei Viktoria-Wilhelmsburg-Veddel: Peter Gras. Foto: Düse

Aus dem Harburger Fußballarchiv: Als an der Landesgrenze noch
Verbandsliga-Kicker zu Hause waren

Von Waldemar Düse. An der „Landesgrenze“ weht ein schärferer Wind. Tatsächlich und gefühlt. Diese Ecke hat nicht den besten Ruf in Hamburg, aber das gilt ja für die gesamte Elbinsel. Gastspiele verursachen dieses gewisse Bauchgrimmen, dieses leichte ungute Gefühl, das erst wieder verschwindet, wenn man alles überstanden hat.
Der TSC Viktoria-Wilhelmsburg-Veddel gehört im Sommer 1991 im zwölften Jahr hintereinander Hamburgs höchster Spielklasse an. Besonders Spitzenteams geht die Muffe, sie fürchten die Duelle beim „Favoritenkiller.“ Aber auf dem tiefen bis sumpfigen Rasen wird nicht nur blutgegrätscht, sondern auch gepflegt kombiniert. Für die Spielkunst „Viktas“ ist Thorsten Bettin zuständig gewesen. Doch der ist zum ambitionierten ASV Bergedorf 85 gewechselt. Eine Zeitenwende.
Peter Gras, im dritten Jahr Trainer, geht mit den Torhütern Andreas Kühner, Timo Langenkämper und Olaf Sander, den Abwehrspielern Bodo Blank, Hartmut Harlapp, Helge Jalass, Björn Marin und René Willmann, den Mittelfeldakteuren Jens Bockelmann, Ben Claassen, Andreas Hampke, Christian Sekulic, Carsten Schuldt und Thomas Ulaga sowie den Angreifern Kai Grobe, Matthias Madsen, Marco Paulsen und Sönke Sander in die neue Spielzeit.
„Wir hoffen, unter den ersten acht zu landen“, gibt sich Obmann Jürgen Meinke vorsichtig optimistisch. Er ist sich sicher, „dass wir über genügend spielerisches Potential verfügen, um dieses Saisonziel umzusetzen. Wir leben von der mannschaftlichen Geschlossenheit.“ Wie man sich irren kann.
Am Ende verbreitet die „Landesgrenze“ Schrecken nur noch in den eigenen Reihen. Im Februar 1992 wird öffentlich, dass der Ligabereich pleite ist. Schatzmeister Burghard Mehlfeld folgt auf den scheidenden Vereinsvorsitzenden Günther Schwarz. Gras, der sich ebenfalls in den Vorstand wählen lässt, erklärt, dass keine Handgelder und Aufwandsentschädigungen mehr gezahlt werden sollen.
Zukünftig sei der Plan, die am Saisonende erwirtschafteten Gelder auf alle Spieler zu verteilen. Viktoria steigt als Vorletzter auf Nimmerwiedersehen aus der Verbandsliga ab. „Ich bin traurig, denn hier bricht jetzt alles auseinander“, sagt Liga-Obmann Meinke. An der Landesgrenze spielt jetzt der FC Türkiye in Hamburgs höchster Spielklasse. Aber das ist eine andere Geschichte.
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