„Bei Maria“ wurde der FC Normannia aufgelöst

Alles Geschichte: Eine Jugendmannschaft Normannias auf dem legendären „Postweg-Matsch“. Foto: archiv düse

Vor zehn Jahren endete ein Stück Harburger Fußballgeschichte

W. Düse, Harburg

Es beginnt mit einem Streit. Und bei diesem Streit steht nicht nur Streit drauf, sondern ist auch Streit drin. Bekanntlich ist Fußball keine Sache auf Leben und Tod, sondern ernster. Und diese sieben jungen Männer meinen es bierernst. Auf einer Versammlung von Harburgs ältestem Fußballklub, dem FC Viktoria von 1903, haben sie sich mit den anderen derart in die Haare gekriegt, dass es kein Zurück mehr gibt. Nur wenige Tage später, am 6. Juli 1906, gründen sie in August Oetgens Gaststätte „Zum Irrgarten“ am Holzweg (heute Denickestraße) Ecke Kasernenstraße ihren eigenen Verein: den FC Normannia.
Aus dem Irrgarten über den Holzweg in die Fußballwelt – in der Rückschau bekommen diese Namen tragikomische Symbolkraft. Kaum einer der ersten Fußballvereine verfügt über einen eigenen Platz. Gekickt wird auf öffentlichen Flächen, die sich die Fußballpioniere mit Flaneuren, spielenden Kindern, Schafherden oder exerzierendem Militär teilen müssen. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die Schwarz-Gelben eine feste Bleibe gefunden haben: Exerzierplatz an der Eißendorfer Straße, Schwarzenberg, Kasernenhof der Pionierkaserne, Rennkoppel, Moordamm, Milchgrund und endlich Alter Postweg.
HSV-Profi Lothar Dittmer begann bei Normannia
Trotz hervorragender Jugendarbeit gelingt dem FC Normannia nicht, sich dauerhaft zu einem Schwergewicht im Südfußball zu entwickeln. Lothar Dittmer, bekanntestes Eigengewächs, schafft es indes beim HSV und dem FC Homburg bis in die Bundesliga.
Der kleine Verein ist bekannt für sein ausgeprägtes Vereinsleben und das Herzblut, mit dem er geleitet wird, etwa durch Bernhard Starck oder Egon Tomforde. Aber es gelingt immer weniger, Erwachsene zum ehrenamtlichen Engagement zu bewegen. Zudem macht sich der Strukturwandel der bundesrepublikanischen Gesellschaft seit den 1970er-Jahren auch im Fußball deutlich bemerkbar. Zunehmend beginnen Migranten, eigene Vereine aufzubauen. Der Niedergang ist nicht mehr aufzuhalten.
Am 9. Februar 2007 treffen sich schließlich die verbliebenen Mitglieder des FC Normannia in der Gaststätte „Bei Maria“ in der Lassallestraße, wo heute Marias Ballroom ist. Auf dieser letzten Versammlung beschließen sie die Auflösung des Vereins. Ein Stück harburgische Fußballtradition hat ihr Ende gefunden.
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