Am Riemen reißen

Auf Schlag gerudert: Mia Meyer in Bremen.

Die Kolumne von Mia Meyer.

Es ist Freitagmorgen, 10.41 Uhr. Mein Handy vibriert zweimal kurz hintereinander und dabei klingt ein hoher Ton. Das klare Zeichen einer WhatsApp-Nachricht. Meine Freundin Paula, die bis vor drei Jahren mit mir beim Ruderclub Süderelbe in einer Trainingsgruppe war und nun an der Jacobs University in Bremen studiert, schrieb mir einen Hilferuf. Am vergangenen Wochenende fand der Faricup statt, eine Regatta, bei der im Vierer oder Achter eine Strecke über 4 beziehungsweise 7,5 Kilometer gefahren wird. Die Jacobs-Ruderinnen wollten im Achter an den Start gehen, doch unglücklicherweise fehlte ihnen noch eine Person in der Mannschaft. Zwar wusste ich, dass ich in der Nacht vor dem Rennen in einen Geburtstag reinfeiern und daher nicht viel Schlaf bekommen würde, dennoch sagte ich zu, denn Paula wiederzusehen und mich im Boot sportlich mal wieder auszubelasten stellte einen wesentlich stärkeren Reiz dar, als einen verschlafenen Sonntagmorgen.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Ich sollte auf Schlag fahren, also den Rhythmus vorgeben. Normalerweise kein Problem, doch meine Disziplin ist Skullen, mit zwei „Paddeln“ und nun sollte ich am Riemen reißen! Eine weitere Schwierigkeit war, dass in meinem Boot einige Mädels saßen, die kein Deutsch sprechen konnten und weil die Uni international ist, fand auch das Rudern auf Englisch statt.
Das Rennen lief besser als gedacht. Mit dem Riemen hatte ich keine Schwierigkeiten und bei einigen englischen Fachbegriffen war Paula meine Dolmetscherin. Nach 35 Minuten und 27 Sekunden kamen wir erschöpft, aber alle sehr zufrieden im Ziel an. Gerne wäre ich im nächsten Jahr wieder dabei, mit etwas Training drosseln wir die Zeit dann auch noch um einige Minuten.

Mia Meyer (18) ist Abiturientin des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Harburg und ehemalige Leistungssportlerin im Rudern. Im nächsten Jahr wird sie ein Studium beginnen. Was sie in ihrer Sportlerkarriere und in der Zeit vor dem Studienbeginn alles erlebt, steht in ihrer Kolumne im Wochenblatt zum Wochenende.
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