Als Normannia am Postweg regierte

Der FC Normannia 1965: Ehrhorn (stehend v.l.), Schulz, Steinke, Heitmann, Brussow und Eggers. Knieend v.l.: de Òair, Meisling, Rehders, Meyer und Broszeit. Foto: Sammlung Düse

Im Pokal sorgte der Klub 1966 für Furore

Von Waldemar Düse. Der Fußballspielstätte „Alter Postweg“ geht schon im Frühsommer 1966 der Ruf voraus, dass Duelle auf diesem engen „Hühnerauslauf“ mit seiner schaurigen roten Asche mitunter eine immer wieder erstaunliche Eigendynamik annehmen. Nicht jeder gegnerische Akteur mag diesen entweder beinharten oder komplett seifigen Untergrund. Nicht jeder mag es, sich in Griffweite mitspielender Zuschauer bewegen zu müssen.
„Und hier regiert Normannia.“ Vielleicht ist dieser heute geflügelte Schlachtruf schon vor mehr als einem halben Jahrhundert hier skandiert worden. Im „DFB-Pokal auf Landesebene“ hätte er im Frühsommer 1966 seine Berechtigung gehabt.
Es beginnt verhältnismäßig unspektakulär. Der FC Normannia, einer von 72 hamburgischen Bezirksligisten, nicht ganz unten, aber auch nur eine Klasse darüber, kickend. 7:1 in der ersten Runde gegen den ETSV Hamburg, Kreisklasse 5, ganz unten. Pflichtsieg, könnte man einwenden. Ein 17:0 in der zweiten Runde gegen den Kreisklassen-Vorletzten TSV Seestermühe – achtbar, aber damit muss man nicht unbedingt angeben.
Doch dann wird es krass. Am 19. Mai 1966 gastiert der Landesliga-Zweite und Regionalliga-Anwärter SC Sperber in der dritten Runde am Postweg – und kassiert eine zunächst kaum glaubliche 0:8-Packung. Schwindt – Heitmann, Schulz, Nitschke, Ulrich, Reders, Jamrowski, Warbende, Steinke, Meyer und Eggers nehmen die Alsterdorfer nach allen Regeln der Kunst auseinander. Bei genauerem Hinsehen jedoch nicht unbedingt ein Grund, gleich die Welle zu machen. Sperber hatte nur einen Akteur seiner ersten Garnitur dabei, der Rest eine Mischung aus der Reserve und den Alten Herren, zwei reifere Spieler sind bereits 45 Jahre alt.
In der 4. Runde gastiert Normannia auf dem ebenfalls gefürchteten Grandacker an der Brucknerstraße. Trotz spielerischer Unterlegenheit sichern Steinke und Meyer einen 2:0-Sieg beim klassenhöheren USC Paloma. Der nächste Gegner wird beim FC Normannia unter „Dorfklub-Elf“ geführt. Aber Bezirksligist VfL Lohbrügge beendet mit einem 3:1 am Postweg die wilden Träume von einem hamburgischen Zweitligisten als kommenden Pokalgegner.
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