Als Fußgänger quer durchs Feld liefen

Rasensports Meistermannschaft von 1910 (v.l.): A.Meyer, Martens, Münch, Erdmann, W. Moeller, Wittke, A. Zentgraf. Mitte: G. Moeller, O. Zentgraf, Knupper, Heine. Vorn: Boysen, R.Meyer, Rotermund. Foto: Archiv Düse

Aus dem Harburger Fußballarchiv: Wie der FC Britannia Harburg gegründet wurde, aus dem später der HSC hervorging

Von Waldemar Düse. Das Vorspiel konnte unendlich mühseliger sein als der eigentliche Kick. Gerade im Winter, wenn der Boden gefroren war. Dann musste heißes Wasser heran geschleppt werden, um die Löcher für die Torpfosten überhaupt herrichten zu können.
Fußball ist 1907 noch die von den Obrigkeiten argwöhnisch beäugte „Fußlümmelei“, der „Aftersport“. Am Mopsberg gibt es auf dem ehemaligen Wittingschen und Maretschen Gelände an der Harmsstraße zwar einen Sportplatz, aber nicht, wie wir ihn heute kennen. Kein abgegrenztes Gelände. Fußgänger, die durchs Spiel laufen, sind keine Seltenheit. Torgestänge, Absperrseile, Trikots und Bälle müssen jeden Sonntag erst herbei geschafft werden..
Die jungen Männer, die in den beiden Klubs Germania und Sportmannschaft kicken, sind darüber so genervt, dass sie sich auf einer Versammlung im Lokal von Ignatz Oleynick in der Maretstraße 42 zusammenschließen – zum FC Britannia Harburg. Die Vereinsfarben werden dabei mit weiß und rot festgelegt. Ihre Gerätschaften müssen sie zunächst vom Hof der Familie Knupper aus der Bremer Straße 117, später von der Familie Moeller aus der Elisenstraße 64 mitbringen.
1908 gelingt dem nach Borussia und Normannia dritten harburgischen Fußballverein die Aufnahme in den Norddeutschen Fußballverband. Per Antrag? Schön wär´s. Zu dieser Zeit muss unter den Augen der Verbandsoberen vorgespielt werden. Britannia besiegt Eintracht Lüneburg mit 5:3 und wird der A-Klasse des Unterbezirks Nordhannover zugeteilt. Am Ende der Serie sind die Rot-Weißen Meister.

Der dritte Fußballkub aus Harburg

Während des Ersten Weltkriegs fällt der Name Britannia in Ungnade, für kurze Zeit heißt der Verein Harburger Ballspielverein. Nach Kriegsende wird er am 17. August 1919 als „Verein für Rasensport von 1907“ in das Vereinsregister eingetragen. Schnell entwickelt sich Rasensport zum Platzhirsch, aus seiner 1913 gegründeten Jugend-Abteilung gehen harburgische Fußball-Legenden wie Rudi Greifenberg und Rudi Noack hervor. 1938 gelingt der Aufstieg in die Gauliga Nordmark, eine der 20 ersten Ligen, in der bereits Borussia, der spätere Fusionspartner zum Harburger SC, antritt.
Diese Geschichte ist nicht frei erfunden. Sie lehnt sich eng an wahre Begebenheiten an, obwohl man vieles kaum glauben mag. Alle in ihr vorkommenden Menschen haben gelebt.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.