Als Borussia seinen Trainer feuerte

Symptomatisch für die Saison: Selbst in Überzahl können Borussias Theissen (rechts), Usko und Gras nichts gegen Victorias zweifachen Torschützen Grüning ausrichten. Foto: Sport

Fußball-Historie: Herbert Wojtkowiak musste 1969 gehen.

Von Waldemar Düse. Sie hatten sich wirklich Mühe gegeben. Mit Handzetteln und Präsentkörben wollten die Verantwortlichen von Borussia Harburg an diesem 17. August 1969 die Zuschauer zur Saisonpremiere 1969/70 auf die Eichenhöhe locken. Der Auftaktgegner schien wie extra für den Anlass gebacken: Der SC Victoria – ein traditionsbeladener Name im Hamburger Fußball mit Zugkraft, aber gerade erst wieder in die Landesliga aufgestiegen, sportlich machbar.
1.000 Zuschauer ließen sich locken. Sie erlebten schon zu Saisonbeginn die erste faustdicke Überraschung, den „ersten Knall“, wie die Zeitung „Sport“ schrieb. Die meisten von ihnen, weil Harburger, hätten gern darauf verzichtet. 0:3 ging der Ta-
bellenachte der abgelaufenen Spielzeit gegen den Aufsteiger von der Hoheluft baden. „Verdient“ auch nach Meinung von Borussias 1. Vorsitzenden Gerwin Meier: „Unserer Mannschaft fehlte der Zusammenhang.“
Ein erster leiser Vorwurf an den neuen Trainer Herbert Wojtkowiak. Die HSV-Oberliga-Legende (188 Spiele, 134 Tore) hatte keinen großen Umbruch vorantreiben müssen: Rindfleisch, Kurfeld, Merz, Buchholz und von Soosten hatten den Verein verlassen. Der Hamburger Auswahltorhüter Rolf Eskelsen (Viktoria Wilhelmsburg) und Diedrichsen (Wilhelmsburg 09) waren gekommen. Gemeinsam mit Schmeling, Bachert, Bol, Usko, Theissen, Schmidt, Meyer, Gras, Urbath, Klaus und Uwe Mus, Pohla, Brunke und Landorf bildeten sie einen Kader, der nicht gerade für Euphorie sorgte. „Unsere Mannschaft ist nicht so stark wie im letzten Jahr“, so Meier, „In der vergangenen Spielserie hätten wir es eigentlich packen müssen.“ Ein guter Mittelplatz müsse reichen.
Nun ja, 20:32 Tore und 12:22 Punkte und ein vorletzter Platz zum Ende der ersten Halbserie sorgten bei Borussia für nicht unerhebliche Erschütterungen. Wojtkowiak wurde als vierter Trainer der laufenden Saison in Hamburgs höchster Spielklasse entlassen, die sportliche Verantwortung Ligaspieler Jürgen Bol übertragen; Liga-Obmann Dieter Gras sen. trat zurück. Sein Nachfolger wurde Werner Tietz.
Zählt man die Erbsen zusammen, hatte sich in der zweiten Halbserie eigentlich kaum etwas zum Besseren verändert: Aber 41:47 Tore und 24:36 Punkte reichten Borussia aus, um als Viertletzter vor Güldenstern Stade, dem HEBC und dem TSV Uetersen mit letzter Kraft die Klasse zu halten ...
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